Dienstag, 10. Dezember 2013

136. Tag, Montag, 9.12.13

Baamonde - Miraz, 15 km
Heute morgen wieder dichter Nebel und sehr kalt. Rauhreif überall. Für die Spanier hier ist diese Kälte das Tagesgespräch. Die vom Rauhreif überzogene Landschaft wurde sogar im Fernsehen gezeigt. Unterwegs wurden wir gefragt ob wir nicht frieren, bei dieser Kälte zu laufen, brrrr. Ich habe geantwortet: es ist wie in der Schweiz. Señor Lopez meinte: ja in der Schweiz ist das normal, hier nicht!

Wir haben in der gut geheizten Herberge sehr gut geschlafen. Die Küche ist eher mager eingerichtet, trotzdem machten wir unser Frühstück dort. Die anderen beiden sind fürs Frühstück in die Bar. Die Australierin wusste noch nicht ob sie ein Stück weit mit Bus oder Taxi fahren will. Vierzig Kilometer sind ihr auch zu viel, das Hotel unterwegs ist ihr aber scheinbar zu teuer. Zudem leidet sie sehr unter der Kälte. Bei ihr Zuhause hat es jetzt 21 Grad.

Wir marschierten um neun Uhr los. Die ersten Kilometer auf der Nationalstrasse. Beim
100 Km Stein bog der Jakobsweg wieder ins Gelände. Zuerst mussten wir Fotos machen. Nun sind es keine Hundert Kilometer mehr! Sensationell! Unfassbar! Das Herz hüpfte vor Freude.
Wir beeilten uns mit den Fotos, denn es gab sofort sehr kalte Hände. Während dem nachfolgenden Aufstieg wurde uns wieder warm. Und dann schaffte es die Sonne den Nebel zu vertreiben. Von den Bäumen und Sträuchern fielen grosse Tropfen und die weisse Glitzerpracht löste sich auf.
Genüsslich konnten wir durch lauschige Pfade und über Wiesenwege durch die Heidelandschaft wandern. Bei Kilometer zehn soll es eine Bar geben und dort könne man auch einen Stempel ins Credencial haben, wurde uns verprochen. Seit heute (auf den letzten 100 Km) braucht es zwei Stempel pro Tag in den Pilgerausweis. Bis 150 Meter vor besagter Bar waren wir voller Vorfreude auf einen Kaffee. Dann der entsprechende Zettel am Wegrand: Cerrado (geschlossen)! Hmmm .... wir brauchen aber diesen Stempel. In der Hoffnung jemand zu finden der uns diesen Eintrag macht, sind wir trotzdem hin. Eine alte Frau war am Blätter zusammen wischen. Auf meine Bitte um einen Stempel liess sie einen Schwall spanische Sätze los. Die Chica die die Bar betreut sei nicht da, es kommen jetzt sowieso keine Pilger, es ist soooo kalt, friert ihr nicht? Nein tut mir leid, ich weiss nicht wie die Maccina funktioniert, in Miraz gibt es sicher einen Stempel. So oder ähnlich hat sie gesagt. Wir zogen unverichteter Dinge weiter. Wo bekommen wir den bl.... Stempel? Die Kirchen sind ja auch alle verriegelt und verrammelt. Zu eurer Information: es ist ein sehr dünn besiedeltes Gebiet. Wenn es ein Dorf gibt, dann sind es oft nur ein paar Häuser. Die Ortsschilder sind kleine Holztafeln und Handgemalt.

Zwei Kilometer später erreichten wir den kleinen Ort Seixón. Zwischen den Häusern durch führten malerische, enge Gassen. Durch eines dieser Gässchen wiesen uns die gelben Pfeile. In einem der Gärten standen auffallende Skulpturen. Auf einer Stele stand geschrieben: Die Wege haben kein Ende, unsere Schritte schon. Das Gartentor stand offen, neugierig wie zwei Kinder schauten wir in den Garten. Ein Mann kam aus dem Haus und winkte uns herein. Es war der Garten des Bildhauers Francisco Javier Lopez. Leider hatten wir keine gemeinsame Sprache, trotzdem verstanden wir einige seiner Worte. Er zeigte uns seine Werke im Haus und im Garten, dann fragte er ob wir einen Stempel ins Credencial wollen. Und ob wir wollten! Wir bekamen einen ganz aussergewöhnlichen Stempel mit Siegel.
Beim weiter marschieren fanden wir: was machen wir uns eigentlich Sorgen um Stempel, Unterkünfte, Einkaufsmöglichkeiten, Futterstellen? Es findet sich immer etwas. Wir sind gut behütet.

Mitten im Nachmittag erreichten wir Miraz. Nun wird sich zeigen ob das mit dem Zettel von Karmela funktioniert. Die kleine Bar sah geschlossen aus. Zum sicher sein drückte ich die Türfalle .... es war offen! Ein junge Frau kam aus einem Nebenraum. Auf meine Frage ob sie Ana sei bejahte sie ganz erstaunt. Ich gab ihr den Zettel von Karmela und es funktionierte wie gewünscht. Ana telefonierte für uns. Während wir auf unseren Abholservice warteten bestellten wir Kaffee und Bocadillo.

Unsere Unterkunft ist einige Kilometer von Miraz entfernt und heisst: Hotel Rural Bi terra. Auch hier sind wir die einzigen Gäste und werden bestens betreut.

1 Kommentar:

  1. Silvia DuttweilerDezember 10, 2013

    Ja es ist unglaublich, jetzt habt Ihr weniger mehr als 100 km vor Euch. Wie Ihr immer wieder Glück habt. Das ist wunderschön und Euch von Herzen gegönnt. Es ist verständlich, dass jetzt soviele Herbergen und Bars etc. geschlossen sind. Diese Gegend lebt offensichtlich ziemlich von den Pilgern. Für Euren Rest der Wanderung weiterhin viel Glück und möge das trockene, wenn auch kalte Wetter anhalten - immer noch besser als Nonstop-Regen. LG

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