Montag, 26. Juni 2017

26.06.17, Sodankylä

Montag. Es regnet die ganze Nacht fast ununterbrochen. Nach dem Frühstück studiert Heiner die Wetterkarte und die Vorhersagen. Wir beschliessen den Spaziergang und die Stadtbesichtigung sofort zu machen, damit wir am frühen Nachmittag zurück sind.

Als das Sehenswerteste wird die Holzkirche aus dem Jahre 1689 genannt.
Alles ist aus Holz, nur die drei Kerzenständer sind aus Messing.
Der Glockenturm, der seitlich separat stand, wurde 1859 abgerissen, nach dem man die Glocken in den Kirchturm der neuen Kirche überführt hatte.

Die Bronzestatue im Zentrum der Ortschaft präsentiert eine der häufigsten Traditionen der Gegend.
Um vierzehn Uhr steuern wir in ein traditionelles Restaurant. Artig warten wir bei der Tür, bis die Bedienung uns fragt was wir möchten. Ich erkundige mich, ob wir noch etwas essen können. Ja natürlich, aber das Lunchbuffet ist schon ziemlich geplündert, weil es jetzt Zeit zum abräumen ist. Sie hebt die Deckel der Wärmeschüsseln an und zeigt uns was noch vorhanden ist. Wenn euch das genügt, könnt ihr davon nehmen. Wir versichern, dass uns das genüge. O.k. bedient euch, mit einer Handbewegung lud sie uns ans Buffet. Ein anderer Gast schwärmt uns von der Tomatensuppe vor, die sei wirklich sehr lecker. Hmm, Tomatensuppe ist normalerweise nicht mein Ding. Was soll's, heute wird probiert. Und ich muss zugeben, die schmeckt sogar mir. Wir werden trotz der beinahe leeren Schüsseln satt und bekommen als Abschluss einen Kaffee. Bezahlen muss ich nur für eine Person, da es ja nicht mehr viel hatte. Danke.

Im nahen Shop hat es landestypische Kleider, Hausschuhe, Geschirr, Saunazubhör und originelle Handwerksachen aus Holz, Ton oder Metall. Stopp, wir haben kein Platz! Na ja, mit ganz leeren Händen gehen wir nicht hinaus, mehr darf ich hier nicht verraten.
Die dunkle Regenwolke draussen treibt uns zur eiligen Heimkehr an. Wir öffnen unsere Schirme und marschieren zielstrebig zum Campingplatz zurück. Kaum sind wir in unserem Fahrzeug prasselt der Regen erst recht los.

25.06.17, Rovaniemi – Sodankylä

Sonntag. Wir packen unsere Sachen, heute haben wir ein Date mit dem Weihnachtsmann. Nur fünf Kilometer von Rovaniemi entfernt befindet sich das Weihnachtsmanndorf. Mitten in der Anlage überschreitet man den Polarkreis. Dies ist natürlich unsere erste Handlung vor Ort.
Als zweites gehen wir in ein Restaurant, wir wollen Rentierfleisch probieren. Im Restaurant sind wir die ersten Gäste, das Lokal liegt etwas versteckt, die meisten Besucher bleiben in der Cafeteria des Souvenirshops hängen. Der Kellner reicht uns die Karte, überlässt uns die Wahl des Tisches und sagt: wenn ihr gewählt habt kommt ihr zum Tresen und bestellt, wir bringen das Essen nachher zum Tisch. Wir studieren das Angebot, wählen aus und bestellen. Mit einem strahlenden Lächeln zeigt uns der Kellner das Titelbild auf der Speisekarte: it's me! Tatsächlich der Finne in der schönen Tracht mit einem prächtigen Rentier an der Hand ist unser Kellner. Ich will wissen ob das sein Rentier sei. Er strafft stolz seine Schultern, natürlich ist das meins, gibt er zur Antwort. Er geniesst sichtlich unsere bewundernde Blicke.
Wir speisen ausgezeichnet zu einem sehr moderaten Preis.

Mit wohlgenährten Bäuchen wagen wir uns in die Stube des grossen Helden. Da sitzt er in seinem roten Gewand, der wallende weisse Bart reicht beinahe bis zum Gurt. Where are you from? Will er wissen. Oh, aus der Schweiz, ein sehr schönes Land. Was macht ihr hier, seid ihr in den Ferien? Wollt ihr auch wandern in Finnland? Viele Leute kommen her und machen Wanderungen. Wollt ihr euch zu mir setzen und ein schönes Foto machen? Und ob wir wollen! Ich habe extra Brummi und Eisbär eingepackt, die beiden Stofftiere von unseren Enkelkindern müssen mit aufs Bild. Der Weihnachtsmann lacht herzlich als er die Tiere sieht. Klar dürfen die mit aufs Foto. Wie heissen die Bären und wie heissen die Kinder will er wissen. Ich bin froh, dass nicht so ein grosser Andrang herrscht. Ich bezweifle, dass ich den Mut gehabt hätte die Tiere inmitten Wartender auszupacken.

Nun bleibt uns noch der Besuch im Postamt. Von hier kann man seinen Lieben daheim eine Postkarte schicken. Vor dem Kamin lagern Säcke mit Briefen von Kindern aus aller Welt. In einer als Weltkugel geformten Schale liegen die neuesten Briefe. Säuberlich gebündelt von den Postämtern in den Herkunftsländern.
Ich empfinde es als wunderschön, dass die Kinderbriefe an den Weihnachtsmann von allen Poststellen hierher nach Finnland geschickt werden.

Es stehen Tische da, man kann sich hinsetzen und Postkarten schreiben. Das Tischblatt ist mit einer Scheibe abgedeckt, darunter sieht man Briefe und Zeichnungen von Kindern. Ich sehe Briefe in französisch, deutsch, italienisch, englisch. Da fällt es uns nicht schwer selber einige Karten zu schreiben.

Wir verlassen das Postamt, es ist Zeit weiter zu fahren. Unser Ziel: Sodankylä, 130 Kilometer nördlich des Polarkreises. Aufmerksam achten wir während der Fahrt auf die Umgebung. Plötzlich sehen wir unterhalb der Böschung auf der anderen Strassenseite eine Gruppe von sechs Rentieren. Eines ist eben im Begriff die Böschung zu erklimmen. Wir können gut vorbei fahren, der nachfolgende Lastwagen muss anhalten.
Der Campingplatz in Sodankylä ist für Wohnmobilisten eher ein Durchgangsplatz. Wir möchten zwei Nächte bleiben. Zum einen: hier hat es eine vernünftige Waschmaschine und Trockner, die Bettwäsche ist überfällig, zum anderen: Blog und Tagebuch sollten nachgeführt werden.

24.06.17, Rovaniemi

Samstag. Wir können wieder einmal draussen an der Sonne frühstücken. Ausgerüstet mit einer warmen Jacke trotzen wir dem Wind und geniessen unsere frisch gebackenen Pancakes mit Honig. Der Nachschub ist in der Isolierschüssel vor dem Auskühlen geschützt. Plötzlich kommt unsere finnische Nachbarin, zeigt auf die Isolierschüssel und erklärt, sie habe das durch ihr Wohnmobilfenster gesehen. Das sei ganz toll und fragt wo man das kaufen könne. Ich erkläre, dass das ein Geschenk gewesen sei, ich wisse es nicht. Sie machte kurzerhand Fotos davon und meint: das wolle sie auch, jetzt gehe sie auf die Suche danach.

Am Nachmittag packen wir den Rucksack, schwingen uns auf die Fahrräder und radeln zum Schneesportzentrum. Dort stellen wir die Räder unter, ab hier geht es zu Fuss auf den Berg. Man darf sich nicht so ein Berg wie in der Schweiz vorstellen. Wir würden es eher als Hügel bezeichnen und doch hat es eine FIS Slalomstrecke.
Vom Zentrum aus erreicht man die Sprungschanzen, das Eishockeyfeld, den Arcticgolfplatz (hier kann man tatsächlich auch im Winter Golf spielen) und oben auf dem Berg das Sporthotel und die Bungalows die man mieten kann.
In der Bar im Sporthotel lernen wir einige Unterscheidungsmerkmale der Finnen vom übrigen Europäer kennen. Glücklicherweise verstehen wir inzwischen genug englisch um über die Vergleiche lachen zu können.

Wir umrunden das Hochplateau, kraxeln über seltsam geformte Felsen, besteigen den Aussichtsturm und können anschliessend die Glut in der Feuerstelle vor dem Shelter erben.
Ein bisschen stochern um die Hitze wieder zu entfachen reicht bereits und schon können wir unsere Würste auf den Rost legen.

Inzwischen ist es wieder kühler geworden, der Himmel ist stark bewölkt. Ob das noch etwas gibt mit der Mitternachtssonne? Wir marschieren zum Starthäuschen oberhalb der Piste und warten.
Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Beinahe ungehindert pfeift uns der Wind um die Ohren, das Häuschen bietet wenig Schutz. Lange Zeit hoffen wir, dass sich das grosse Wolkenband verschiebt. Vergebens. Die Sonne leuchtet mit einigen Strahlen nur ganz zaghaft hinter den Wolken hervor und färbt den Horizont blassrosa.
Müde und halb erfroren steigen wir ins Tal. Zuhause herrscht eine Hitzewelle.
Eingepackt in Mütze, Schal, Handschuhen und warmer Jacke radeln wir zurück zu unserer HeiMatd.

Freitag, 23. Juni 2017

23.06.17, Rovaniemi

Freitag. Um elf Uhr unsere Zeit, zwölf Uhr finnische Zeit marschieren wir strammen Schrittes Richtung Stadt. Es wirkt alles noch so verschlafen, es sind sehr wenige Leute unterwegs. Nach etwa fünf Kilometern überqueren wir die Holzfällerkerzenbrücke die in Stadt führt.
Es ist, laut Infoblatt, eine der originellsten Brücken Finnlands und Wahrzeichen von Rovaniemi. Das 323 Meter lange Bauwerk war die erste Schrägseilbrücke des Landes. Das Licht an der Mastspitze ist wie die Flamme der Holzfällerkerze (Finnenkerze) geformt.

Zum Mittag lassen wir uns mit einem leckeren Lachssteak auf gegrilltem Gemüse und Kartoffeln verwöhnen. Dazu ein lokales Bier, es geht uns gut.

Wir gehen in die alte Messerfabrik Marttiini. Staunend stehen wir vor den Vitrinen. Da hat es Messer und Dolche in verschiedenen Grössen, manche kunstvoll verziert mit schönen Griffen aus Horn oder Birkenholz. Die dazugehörenden Scheiden aus Leder oder Horn sind ebenfalls verziert. Das sind wertvolle Besitztümer.

So langsam erwacht die Stadt, obwohl viele Geschäfte bereits geschlossen sind. Es ist Mittsommer, morgen ein gesetzlicher Feiertag, heute wird schon mal vorgefeiert. Die Mädchen und Frauen pflücken Blumen und flechten sie zum Kranz.
Es gibt Musik und Geselligkeit, man ist draussen, trifft sich mit Freunden. An manchen Orten gibt es ein kleineres oder grösseres Feuer, wohl so ähnlich wie bei uns am 1. August. Die Stimmung ist fröhlich.

Da wir für morgen 'Nacht' eine Tour auf den Ounasvara planen, lassen wir für heute die Stadt hinter uns. Vom den Panoramaplätzen wird einem die beste Aussicht auf die Mitternachtssonne versprochen. Wir freuen uns darauf, der Wetterbericht ist gut.

Donnerstag, 22. Juni 2017

22.06.17, Rovaniemi

Donnerstag. Es ist immer noch kalt und regnet. Wir schlafen lange und suchen irgendwann im laufe des Vormittags die Waschmaschine und den Trockner. Laut Homepage von diesem Platz soll so etwas vorhanden sein. In den für uns zugänglichen Räumen befindet sich nichts dergleichen. Wir steuern die Rezeption an um uns zu erkundigen und stehen mit langen Gesichtern vor verschlossener Tür. Es ist erst ab 15Uhr geöffnet. „Was sell i mache? Drüber lache und e Chueche bache?“ Ja, der Pfannenkuchen ist bis auf den letzten Krümel weg. Nachschub ist nötig. Das beste: ich kann den Teigling im Backofen in der 'Sommerküche' auf dem Platz backen.

Zur entsprechenden Zeit frage ich an der Rezeption wo denn die Waschmaschine steht. Ahh, man muss mit der Wäsche zur Rezeption und wird dann in den Wirtschaftsraum des Hauses begleitet. Dort darf man eine Maschine befüllen. Eingestellt und gestartet wird die Maschine vom Personal. Anschliessend bezahlt man an der Theke und dort wird einem mitgeteilt, wann man die trockene Wäsche abholen darf. Diese Variante ist uns auf unseren Reisen noch nie begegnet. Mir ist es lieber, wenn ich selbständig waschen kann. Nach drei Stunden darf ich die Wäsche aus dem Trockner nehmen.

Mittwoch, 21. Juni 2017

21.06.17, Nikkala - Rovaniemi

Mittwoch. Wir starten bei noch einigermassen schönem Wetter und mässigem Wind. Die Wolken am Himmel in unserer Fahrtrichtung verheissen nichts Gutes.
Es sind nur vier Kilometer bis zur Grenze. Vor dem Grenzübertritt gehen wir in Haparanda einkaufen und füllen unseren Kühlschrank. Die kommenden vier Tage bleiben wir in der Nähe von Rovaniemi, Einkaufsmöglichkeiten sind nicht in Gehdistanz.
Gleich nach der Grenze in Tornio steuern wir einen Kiosk an. Dort können wir eine Prepaid Daten Simkarte für Finnland erstehen. Einsetzen und Aktivieren schafft Frau selbst. Jaaa! Wir sind wieder online und somit sollte der Fortsetzung unseres Blogs nichts im Wege stehen.

Wir fahren auf der E 75 nordwärts und überqueren den Fluss Kemijoki Richtung Petäjainen um auf der 926 unser Zwischenziel zu erreichen. Hiidenkirnut, eine eindrückliche Felslandschaft mit mehreren Gletschermühlen.
Das tiefste Loch ist 15 Meter tief und das verborgenste trägt noch eine Eisschicht. Von wegen Eis: es weht ein kühler Wind, Mann trägt Mütze,
es hat nur noch 7 Grad und heute ist 'Mittsommer' beziehungsweise Sommersonnenwende.

Von der Sonne sehen wir momentan nichts mehr, es regnet immer wieder. Für die nächsten Tage ist wechselhaftes Wetter vorausgesagt. Und: heute haben wir es gleich gemerkt .... wir müssen die Uhren eine Stunde vorstellen, Finnland hat Osteuropäische Zeit.
Unser Sellplatz ist etwa sechs Kilometer von Rovaniemis Zentrum entfernt in Richtung Kuusamo.

Dienstag, 20. Juni 2017

20.06.17, Boden - Nikkala

Dienstag. Kurz nach dem heutigen Start legen wir bereits einen Stopp ein. Gammelstads Kirchstadt liegt am Weg und das wollen wir besichtigen.
Dieser Ort ist ein einzigartiges Beispiel für eine traditionelle nordskandinavische Kirchstadt. Seit Dezember 1996 ist es Unesco Welterbe. Die Wurzeln des Ortes reichen bis ins 14. Jahrhundert, als Handels- und Marktplatz und Zentrum eine Kirchgemeinde für ein Gebiet von der Küste bis hinauf in die Berge zur norwegischen Grenze.
Die typischen Holzhäuschen wurden von den Bauern selbst errichtet, damit sie während dem Besuch der Kirchenfeierlichkeiten eine Unterkunft hatten. Ganzjährig darin wohnen war und ist nicht erlaubt. Heute stehen noch 408 dieser Häuschen. Drei bis vier Mal im Jahr werden die Gemeindeglieder (auch heute noch) zu Kirchenfeierlichkeiten eingeladen und während des traditionellen Konfirmandenunterrichts vor Mittsommer wohnen die Jugendlichen in den Kirchhäuschen.
Rundum ist inzwischen eine Ortschaft gewachsen, die ganzjährig bewohnt ist. Im Besucherzentrum kann man eine informative Ausstellung zur Geschichte (dreisprachig) besichtigen.

Nach dieser ausgiebigen Besichtigung fahren wir zu unserer letzten Station vor der Grenze. Wir platzieren unser Gefährt im Gästehafen von Nikkala.
Heute haben wir das erste Rentier am Wegrand entdeckt. Ab morgen heisst die Devise: noch vorsichtiger fahren, die Rentiere sind weniger scheu als die Elche und lassen sich gerne vom Fahrtwind die Mücken vertreiben.