Blog von unterwegs mit dem Wohnmobil. Ziel: Europa und die Welt bereisen solange es Spass macht und die Gesundheit erlaubt. Tagebuch vom Jakobsweg Basel - Vezelay - Limoges - Orthez, Bilbao - Ribadeo - Santiago - Finisterra 27. Juli 2013 bis 28. Dez. 2013
Dienstag, 31. Dezember 2013
Willkommen im neuen Jahr!
wir wünschen euch allen ein gutes und gesegnetes neues Jahr.
Glück und Gesundheit im 2014!
Am Sonntag, 5. Januar 2014 sind wir am Neujahrsapèro im Ortsmuseum Frenkendorf, an der Schulstrasse 10a.
Öffnungszeiten: 10 Uhr bis 12 Uhr und 14 Uhr bis 17 Uhr.
Wir freuen uns darauf mit euch anzustossen!
Bis bald!
Madeleine und Heiner
155. Tag, Samstag, 28.12.13
Wir verliessen kurz vor acht Uhr unsere Ferienwohnung. Unser Fussmarsch bis zum Busbahnhof dauerte nur zehn Minuten und Désirée hatte für diese Zeit trockenes Wetter bestellt. Sie hatte das sehr gut gemacht, es klappte mit der Lieferung.
Eine halbe Stunde später waren wir bereits am Flughafen. Die Rucksäcke waren innert Kürze eingewickelt und somit Transportbereit. Dann konnten wir das Gepäck aufgeben und hatten, wie geplant genügend Zeit um noch zu Frühstücken. Draussen regnete es wieder. Ich befürchtete, dass es bei diesem Wetter einen unruhigen Flug geben könnte. Frau wird Seekrank, rütteln und schütteln könnte im Flugzeug eine ähnliche Wirkung haben.
Über den Wolken war es jedoch sonnig, es gab einen recht ruhigen Flug.
Ich war gespannt ob uns jemand am Flughafen abholt. Unsere Tochter hatte Frühmorgens eine SMS geschickt und uns eine gute Heimreise gewünscht. Zusätzlich die Bemerkung, sie freue sich auf den Sonntag.
Es war geplant am Sonntag den 92. Geburtstag vom Grosi und unsere Heimkehr zu feiern. Ich kenne meine Tochter und dachte: ja natürlich freut sie sich auf Sonntag, aber diese Aussage schliesst einen Empfang am Flughafen nicht aus.
Ich liess den Blick durch die Halle schweifen und entdeckte niemanden Bekannten. Ich hatte keine Zeit für Enttäuschung, Simon drängte den Bus zu erreichen. Während der Busfahrt suchten Simon und Désirée nach dem Hausschlüssel, in Simons Tasche steckte der gesuchte Türöffner.
Vom Burgfelderplatz bis zur Wohnung der Beiden gab es nochmal einige Minuten Fussmarsch. Simon öffnete die äussere Haustür, dann gingen wir durch den Flur zur hinteren Tür. Dort hing ein Zettel mit Text und Bild: Pilger und Fledermäuse willkommen. Das ist Denise-Style war mein Blitzgedanke, weiter denken konnte ich nicht. Die Haustür wurde aufgeschlossen und dort stand unser jüngstes Enkelkind. Er schaute ganz neugierig wer da alles kommt und strahlte uns dann an. Alle hatten sich versteckt ausser der zweieinhlbjährige Arjan. War das ein Jubel und eine Begrüssung!
Alles war vorbereitet: Apéro, Mittagessen, Dessert. Wir genossen diese ersten Stunden im Kreise unserer Lieben.
Später gingen Heiner und ich in die Innenstadt. U-Abo bestellen und andere Dinge wollten wir noch erledigen.
Wie in den letzten Monaten gingen wir noch einen Kaffee trinken und spätestens bei der Rechnung für diese beiden Tässchen landeten wir in der harten, teuren Realität.
Freitag, 27. Dezember 2013
154. Tag, Freitag, 27.12.13
Die Frauen durften ausschlafen, die Männer gingen auf den Markt. Simon wollte frische Produkte kaufen für unser letztes Nachtessen in Santiago. Nach einer gefühlten halben Stunde, in Wirklichkeit waren es zwei Stunden, waren die beiden zurück und es gab Frühstück.
Danach gab es nochmal einen ausgiebigen Stadtbummel. Bei trockenem Wetter wäre das wesentlich genussvoller gewesen.
Mit dem Nachtessen stimmte uns Simon schon etwas auf die Heimat ein: es gab Rösti mit Käsedecke, Lomo und Gurkensalat.
Nach einer Runde 'Hornochsen' machten wir uns ans Packen. Morgen früh müssen wir um acht aus dem Haus. Am Mittag sind wir dann bereits in Basel ..... und wir haben fünf Monate gebraucht bis hierher.
Ein herzliches Dankeschön allen treuen Blogleserinnen und Bloglesern. Danke für die Kommentare, SMS, Mails, Whatsapps, es hat uns gefreut und gestärkt. Vor allem hat es uns überrascht, wie viele Leser unser Blog hatte. Es wird weiterhin Einträge geben nur nicht mehr täglich.
Wenn die Reise weitergeht werden wir unser Erlebnisse hier mit euch teilen.
Donnerstag, 26. Dezember 2013
153. Tag, Donnerstag, 26.12.13
Heute morgen bekam ich den ersten Kaffee ans Bett geliefert! Unter solchen Bedingungen fällt es mir nicht so schwer aufzustehen.
Das Frühstück sah pilgermässig aus: es kam alles auf den Tisch was wir noch hatten. Früchte, Schinken, Quark, Gemüserisotto .... nur Brot hatten wir keines mehr. Um elf konnten wir die Wohnung abgeben. Mit Sack und Pack zogen wir Richtung Ortszentrum. Gestern hatten wir im Restaurante 'a de lolo' hervorragend gegessen, das wollten wir nochmal geniessen. Mmmhhhhhh, dieses Lokal ist absolut empfehlenswert.
Wir standen zehn Minuten zu früh an der Bushaltestelle. Kein Bus weit und breit, obwohl der Hafen von Muxia Startpunkt für diese Strecke ist. Um halb drei wurden wir etwas nervös und unsicher. Bei uns in Schweiz ist der 26. 12. ein Feiertag, hier sei das nicht so, wurde uns gesagt. Wenn es nun ..... ?! Fünf Minuten später sichteten wir den Bus. Wir sollten es wissen: spanische Zeit ist nicht schweizer Zeit.
Wir, Heiner und ich, waren froh im Bus zu sitzen. Zu Fuss würden wir schön im Regen stehen und die Fledermaus wäre notwendig gewesen. Die ist jetzt zuunterst im Rucksack verstaut.
Jetzt sind wir definitiv bereits auf dem Heimweg.
Unser Bus traf früher in Santiago ein als wir dachten. In der Ferienwohnung bei Borja waren wir auf ca. sechs Uhr angemeldet. Eine SMS löste dieses Problem rasch, wir konnten eine Stunde früher einziehen.
Unterwegs zur Wohnung lockte der Duft einer Pastelleria. Die Auslage sah so verlockend aus, dass Dėsirėe und ich im Laden standen bevor die Männer reagieren konnten. Man konnte Dessertvariationen in Mundgerechten Häppchen zum Kilopreis erstehen. Das ideale Angebot zum Zvieri für Leckermäuler!
In der uns schon bekannten Wohnung machten wir zuerst Tee, schlemmten die Patisserie und entschlossen uns dann, doch noch in die Altstadt zu gehen.
Wieder zurück kochte Simon ein feines Rotweinrisotto, dazu gab es Eichblattsalat mit Cherrytomaten.
Mittwoch, 25. Dezember 2013
152. Tag, Mittwoch, 25.12.13
Wir wurden von einem taghellen Blitz und sehr lautem Knall geweckt. Der Sturm pfiff immer noch heftig und nach den Geräuschen zu schliessen prasselte ein Graupelschauer an die Hausfassade. Draussen war es noch dunkel, also: umdrehen und weiter schlafen.
Stunden später gab es Frühstück und als der Wind endlich etwas nach liess, machten wir unseren Weihnachtsspaziergang. Das Meer schäumte und tobte immer noch eindrücklich. Fototime.
Auf unserem Rundgang spazierten wir gegen die Kirche Santuario da Virxe da Barca, ein Besucher- und Pilgermagnet den wir natürlich auch sehen wollten. Dieses Gebäude liegt etwas ausserhalb von Muxia auf den Felsen an der Spitze der Halbinsel. Wir wunderten uns wie viele Leute zu Fuss oder mit dem Auto zu oder von der Kirche kamen. Als wir nahe genug waren, sahen wir weshalb das so war: der helle, laute Blitzschlag in den Morgenstunden hat dieses historische Gebäude getroffen. Kirchenbrand durch Blitzschlag am Weihnachtsmorgen?!
Die Feuerwehr hatte noch zu tun mit Brandwache, absperren, den Fernsehleuten Auskunft geben. Später haben wir im Fernsehen gesehen was für Kulturgüter zerstört worden sind, wir verstehen weshalb die Bewohner geschockt sind und heulen.
Auf dem Rückweg wollten wir Tapas essen. Der Kellner im Restaurant sprach gut schweizerdeutsch. Er hatte mehrere Jahre im Kanton Aargau gewohnt und gearbeitet. Auch er ist am überlegen ob und wie er wieder zurück kann.
Am Nachmittag sahen wir sogar die Sonne. Der Wind flaute beinahe ganz ab, so als brauche er eine Atempause. Tatsächlich, mit der Dämmerung fing das Klappern und Gerüttel am Haus wieder an. Uns störte das gar nicht.
Wir genossen unser Weihnachtsessen und liessen den Abend bei einem Kartenspiel ausklingen.
151. Tag, Dienstag, 24.12.13
Nachts war es wirklich sehr stürmisch, inkl. Stromausfall.
Am Morgen erzählte unsere Schlummermutter, dass es sogar einen Zug aus den Schienen gepustet hat.
Wir durften das Gepäck deponieren, da wir erst am Nachmittag weiterreisen wollten.
Nach dem Frühstück marschierten Dėsirėe und Simon zum Leuchtturm, Heiner und ich machten einen kurzen Spaziergang und setzten uns dann am Hafen in ein Cafe.
Um halb zwei trafen wir uns zum Mittagessen, wir haben definitiv den spanischen Rhytmus angenommen. Dieses Mal hatten wir die bessere Restaurantwahl getroffen, es gibt doch noch Spanier die kochen können.
Zufrieden und gesättigt blieb uns nur noch eine Aufgabe zu erledigen: den allerletzten Stempel in den Pilgerpass und die Finisterana (Urkunde) fassen. Die Herberge beim Hafen hatte nun tatsächlich offen und stolz nahmen wir unsere Dokumente in Empfang.
Die Schlummermutter wollte uns Pollo milanese mitgeben, sie habe sich zum Mittag zuviel gekocht und am Heiligabend gebe es hier traditionell Meeresfrüchte und Fisch. Wir haben zuerst gezögert, da sie jedoch darauf bestand, willigten wir ein. Dėsirėe schenkte ihr einen Schlüsselanhänger mit den drei Symbolen für: Glauben, Liebe, Hoffnung. Die Señora war so erfreut, dass sie ein Armband das ihr Mann aus Netzgarn gefertigt hat, ihr ums Handgelenk knüpfte.
Mit gegenseitigen guten Wünschen verabschiedeten wir uns.
Auf der Fahrt nach Muxia, fuhren wir am Restaurante Nicola in Sardiñeiro vorbei. Wir hatten am Vortag dort Halt gemacht. Als wir uns gestern anschickten hinein zu gehen, kam ein Mann heraus. Als er uns Schweizerdeutsch reden hörte, sagte er: ich chum grad wieder mit ine. Es war der Wirt und Besitzer Nicola, ein Italiener der in der Schweiz die Lehre gemacht hat, viele Jahre in verschiedenen Schweizer Hotels gearbeitet hatte und nun hier dieses Restaurant führt. Er hat Heimweh nach der Schweiz und durch uns ist das wieder etwas akuter geworden.
Dėsirėe sagte dem Taxifahrer: hier kann man gut essen. Ja, das sei bekannt. Der Wirt sei Italiener, gab er zur Antwort.
Nach einer Fahrt von 30 Minuten erreichten wir Muxia. Unsere Ferienwohnung bot Aussicht aufs tosende, tobende, schäumende Meer. Die Windstärke hatte wieder zugenommen und die Wellen erreichten imposante Grössen. Wir brauchten keinen Fernseher, alle vier standen, am Fenster.
Als Festessen hat Simon einen leckeren Salat und die von mir gewünschten Spaghetti gekocht. In der Wohnung über uns wurde gefeiert und als wir um elf Uhr am zusammenräumen waren, wurde oben gekocht. Traditionell! Die volle Ladung Fischgeruch drängte durch die aussergewöhnliche Wettersituation in unsere Wohnung. Zum einschlafen nicht gerade das was man sich wünscht. Lüften konnten wir wegen dem Sturm nicht.
Tja, die Nase gewöhnt sich an alles, einschlafen klappte schliesslich trotz Geruch und Lärm.
Nachts wachte ich mehrmals wegen dem Sturm, Blitz und Donner auf. Er fegte mit solcher Wucht durch die Gegend, dass es die Weihnachtsbeleuchtung die über die Strasse gespannt war mitriss. Ich habe selten so heftigen Wind erlebt.
Dienstag, 24. Dezember 2013
150. Tag, Montag, 23.12.13
Wir starten um zehn Uhr auf unsere allerletzte Etappe. Die Wettervorhersagen auf unseren Geräten zeigten unterschiedliche Varianten! Wir entschieden uns für die Variante Dėsirėe, das hiess: ohne Regen wandern.
Bis in den Nachbarort mussten wir auf der Strasse marschieren. Dort führte Weg durch eine enge Gasse zwischen den Häusern durch und bald sehr steil bergan. Nach der steilsten Partie ging es auf einer kleinen: auf das kleine Dorf Amarela zu. Mitten im Dorf standen einige Bewohner vor einem Haus. Fröhlich riefen und winkten sie über den Dorfplatz: feliz navidad y buen camino! Wir winkten und riefen zurück.
Der Weg führte durch lichten Eukalyptuswald und noch bevor wir wieder absteigen mussten, sahen wir wieder aufs Meer und in der Ferne die Umrisse von Finisterra. Jubelnd und voller Vorfreude nahmen wir die letzten Kilometer unter die Füsse. Für mich hat dieses Ziel die grössere Bedeutung.
Schritt für Schritt kamen wir näher an den Ort.
Endlich, nach 150 Tagen und vielen,vielen Kilometern erreichten wir den Strand von Finisterra.
Wir überlegten nur kurz bevor wir unsere Rucksäcke in den Sand stellten, Schuhe und Socken auszogen, Hosenbeine hochkrempelten und ins schäumende Wasser rannten. ZIEL ERREICHT!
Mit herrlich erfrischten und wohlig warmen Füssen marschierten wir ins Städtchen. Die Pension Lopez war gut ausgeschildert und leicht zu finden. Die Señora begrüsste uns freundlich, führte uns in den dritten Stock mit der Bemerkung: es lohnt sich die Treppen hoch zu steigen. Tatsächlich hatte man von oben eine wunderschöne Sicht auf den Hafen und das Meer (danke Norbert für den Tip!). Wir durften sogar aussuchen in welchem Zimmer wir schlafen wollten.
Heiner und ich wollten noch ans Kap Finisterra, Simon begleitete uns, Dėsirėe blieb im Zimmer und ruhte sich aus. Zum Kap und zurück waren es nochmal sieben Kilometer. Die Señora machte ein bedenkliches Gesicht. Es sei Sturm angesagt und heftige Regenfälle. Wir sollen vorsichtig sein, uns beeilen und möglichst schnell wieder zurück kommen.
Es war wirklich heftig! Nass und vom Wind durchgerüttelt erreichten wir den Leuchtturm. Die Treppe hinunter konnte ich mich am Geländer halten, ich traute mich nicht loszulassen, der Wind war zu stürmisch.
Heiner hielt mich schliesslich fest und gemeinsam legten wir unseren Stein vom Ufer des Rheins am Ende der Welt nieder.