Freitag, 22. November 2013

119. Tag, Freitag, 22.11.13

Gijón.
In unserem Buch steht:
Gijón ist eine stolze Großstadt mit einem der schönsten Stadtstrände Spaniens. Trotzdem ist sie kein bekanntes Reiseziel, weil sie im Schatten der Provinzhauptstadt Oviedo und der bekannteren Küstenstädte San Sebastián, Santander und A Coruña steht. Somit ist Gijón ein Geheimtip für Spanienkenner geblieben. Ende Zitat.

Gijon ist wirklich eine Stadt die uns gefällt. Bloss das Regenwetter vergällt die Freude. Was macht man, wenn es immer wieder schüttet? Zuerst ausschlafen, dann gemütlich frühstücken. Frau wollte wieder die Haare kürzen lassen: also ein 'Peluqueria' suchen wo frau unangemeldet sofort im 'Dachgeschoss' erleichtert wird. Es hat funktioniert, obwohl zur Verständigung nur Handzeichen möglich waren. Keine der Coiffeusen konnte english.
Kaum waren wir wieder draussen wurden wir von oben begossen. Schnell flüchteten wir in eine Pizzeria. Zum Zeitvertreib und weil es zwölf Uhr war bestellten wir Pizzas. Normalerweise isst man in Spanien erst um halb zwei oder zwei Uhr. Abends entsprechend später, so um halb neun oder neun Uhr.
Wir bekamen unsere Pizzas und die schmeckten lecker. Danach bummelten wir zum Sporthafen, an der Strandpromenade entlang, genossen sogar einige Minuten Sonnenlicht und als die dunklen Wolken wieder ihre Last abwarfen, flüchteten wir ins Aquarium. Der Eintritt ist für spanische Verhältnisse teuer, aber es ist gut gestaltet und sehenswert.
Danach wollten wir etwas durch die Fussgängerzone flanieren, flüchteten jedoch vor dem wieder einsetzenden Schauer in unsere Unterkunft.

Um fünf, als die Geschäfte wieder öffneten, starteten wir nochmal. Wir gerieten in ein riesengrosses, mehrstöckiges Einkaufzentrum. Landeier blieben an jeder Ecke staunend stehen. Da war nun der Weihnachtsrummel schon angelaufen. Was da für die Kinder geboten wird ....! Und mit den Kindern kommen die Eltern resp. Grosseltern und alle konsumieren und kaufen ein.
Wieder draussen auf der Strasse versuchten wir den Weg zurück zu finden. Es ist ein Unterschied ob man bei Tageslicht oder bei Dunkelheit und Regen sich versucht zurecht zu finden.
Mann wollte schon zu schimpfen beginnen, als uns die Gegend doch bekannt vorkam. Pitschnass flüchteten wir in eine Bar und genehmigten uns die Medizin des Hauses.
Auf dem weiteren Weg sprachen uns drei Jugendliche an. Sie waren offensichtlich am Sammeln bezw. etwas Verkaufen. Ich sagte dem Mädchen ich verstehe kein spanisch, ob sie es auf englisch erklären könne. Oh, oh, o.k. english ... hilfesuchend schaute sie ihre Kameradin und den Kameraden an. Die beiden lachten nur und wussten auch nicht recht wie sie das nun formulieren sollten. Das Mädchen gab sich Mühe und versuchte zu erklären, dass sie diese Papiere (kleine Zettelchen) verkaufen und der Erlös für die armen Kinder dieser Welt sei. Ich gab ihr 2 €, sie strahlte und gab mir ein kleines Zettelchen. Später fragte ich den Kellner im Restaurant, ich verstehe nicht was auf dem Zettelchen geschrieben sei (es hatte eine Losnummer drauf). Er erklärte, damit könne man an der Ziehung am vierten Dezember eine Massage gewinnen. Ich habe ihm das Los überlassen, mit der Begründung im Dezember seien wir nicht mehr in Gijón. Draussen haben wir uns den Bauch gehalten vor Lachen.

Donnerstag, 21. November 2013

118. Tag, Donnerstag. 21.11.13

Villaviciosa - Gijon per Autobus.
Wettervorhersage: Regenwahrscheinlichkeit 100%
Das sah zum heulen aus heute morgen. Hätten wir uns nicht schon gestern für die Busvariante entschieden, heute morgen wären wir garantiert auf diese Idee gekommen. Um zehn Uhr öffnete das Tourist Office. Wir bekamen auf dem Stadtplan den Weg zum Busbahnhof eingezeichnet und einen Fahrplan. Die Distanz zur Station war nicht so weit und im grosszügigen Warteraum konnten wir sogar sitzen. Der nächste Bus fuhr um 11.20 Uhr, wir hatten Zeit zum warten. Der Regen verursachte einen dichten grauen Schleier. So etwas habe ich noch selten erlebt. Heiner meint: jetzt wird das Meer wieder aufgefüllt.

Um zwölf kamen wir in Gijón an. Eine Großstadt mit 275'000 Einwohnern. Aber auch hier goss es wie Bindfäden. Vom schützenden Dach der Busstation hasteten wir bloss über die Strasse ins nächste Restaurant. Zuerst mussten wir uns orientieren und heraus finden in welcher Richtung der Hafen liegt. Das Tourist Office ist beim Bootshafen.
Nach dem Restaurantbesuch marschierten wir einfach los. Der Jakobsweg durch diese Stadt führt in der Nähe des Busbahnhofs vorbei. Volltreffer! Nach zwei Strassenecken stiessen wir auf das Muschelzeichen am Boden. Ab da konnten wir dieser Signalisation folgen und wir gelangten automatisch zum Strand und zum Hafen.
Der Mann im Touristenbüro war ausserordentlich hilfsbereit. Er zeigte uns auf dem Stadtplan wo die günstigste Unterkunft ist, wo wir drei Nächte bleiben können. Er rief dort an und erkundigte sich, ob wirklich ein Doppelzimmer mit Bad für Pilger frei sei. Dann versorgte er uns mit Informationsmaterial über die Stadt, zeigte uns durch das grosse Fenster in welche Richtung wir mussten und an welchem hohen Gebäude wir uns orientieren können. Ich hätte ihn umarmen können für diese Hilfsbereitschaft. Ja, es ist sein Job, aber es ist ein Unterschied ob man das Notwendige macht oder das Bestmögliche.

Vom Hafen bis zur Unterkunft waren es bloss etwa zehn Minuten zu Fuss. Trotzdem sahen wir mittlerweile aus wie nasse Ratten da wir auf die Pelerine verzichtet hatten. Die einfache Regenmontur liess allmählich durch. Endlich standen wir vor der Residencia Universitaria, eine Studentenunterkunft die auch Pilger aufnimmt. Sogleich wurde uns von innen die Tür geöffnet, damit wir nicht daran vorbei laufen.
Wir bekamen ein Zimmer im dritten Stock unter dem Dach zugewiesen. Das Fenster gegen die Hintergasse hat auf der Innenseite zwei kleine Läden mit Verschlussriegelchen zum schieben. Die zwei Dachfensterchen haben Verdunklungsrollos die zum Teil bereits geschlossen sind, da sie kaum erreichbar sind. Es hat eine funktionierende, eingeschaltene Heizung. Das Allergenialste ist jedoch die Bodenheizung im Bad!

Mittwoch, 20. November 2013

117. Tag, Mittwoch, 20.11.13

La Isla - Villaviciosa, 22 km,
Das Tosen der Brandung war unser Schlaflied gestern abend. Das Rauschen des Regens unser Wecker heute morgen. Graue Schleier und ein Wasservorhang schränkten die Sicht ein. Allmählich geht das auf die Nerven. Der Wetterbericht war vielversprechend für heute, aber vorläufig sah es gar nicht gut aus. Um neun kam Doña Angelita und winkte uns ihr vors Haus zu folgen. Dann zeigte sie zum Himmel. Über der Herberge leuchtete ein wunderschöner doppelter Regenbogen. Er spannte sich vom Fuss des Berges über die Ebene bis ins nahe Meer.
Ein schönes Fotomotiv.

Wir verpackten uns wieder wasserdicht und machten uns mit guten Wünschen von Doña Angelita auf den nassen Weg.
Alles war aufgeweicht, schlammig, rutschig. Oft mussten wir am Rand von riesigen Pfützen entlangbalancieren, oder die seichteste Passage suchen. Auf diese Weise kommt man nur langsam voran und es macht keinen Spass.
Um halb elf erreichten wir das Städtchen Colunga und wir wärmten uns mit einem Kaffee etwas auf. Danach hatten wir einen längeren Strassenabschnitt und die Pelerine konnten wir einpacken. Regenjacke, Regenhose und Rucksackhülle beliessen wir jedoch, die dunklen Wolken hingen immer noch bedrohlich seitlich über uns. Weiter vorne sahen wir ein grosses Stück blauen Himmel und die Sonne versuchte sich einen Weg zu bahnen. Unsere Strasse führte bergauf, bergauf und weiter bergauf. Die Sonne hatte uns erreicht und heizte ein. Tenue Erleichterung, dann wieder Gepäck schultern. Kaum auf der Höhe hatte uns der Wind entdeckt und blies uns kühle Luft um die Ohren. Rucksack abstellen, Jacke anziehen, Rucksack auf und weiter. Dieses Spiel zog sich über Stunden. Für den Mittagslunch wurden schwere, schwarze Wolken geliefert die sich über uns zu entleeren begannen. Eilig strebten wir unter das schützende Vordach einer Kirche. So ein geräumiger Platz mit Sitzbänken hat es selten bei einer Kirche.
Nach der Pause entschieden wir: jetzt müssen wir wohl oder übel mit der Fledermaus weiter. Bis wir alles montiert hatten, brauchten wir die Pelerine doch nicht und schoben sie unter die Rucksackhaube. Bald führte uns der Weg auf eine schlammige Abwärtspiste. Lehmige, rote Erde klebte an den Schuhen, der selbe Schlick auf dem Weg, das ergab eine heikle Rutschpartie.
Zur Erholung gab es zwischendurch Strassenabschnitte.
Um 16.30 Uhr erreichten wir müde aber einigermassen heil Villaviciosa. Wir haben uns in einem Hostal einquartiert. Die Wettervorhersage für morgen ist ganz übel. Wir schlafen aus, gehen dann ins Tourist Office und erkundigen uns nach einem Bus nach Gijon. Mein rechtes Fussgelenk ist nach den schwierigen Passagen in den letzten Tagen etwas überstrapaziert. Die morgige Etappe würde zwei extreme Steigungen und wieder Abstiege von jeweils 400 bezw. 300 Höhenmeter enthalten. Mit dieser Nässe im Boden: nein danke! Wir fahren in die nächste Stadt und erholen uns dort erst mal.

Dienstag, 19. November 2013

116. Tag, Dienstag, 19.11.13

San Esteban - La Isla, 13 km.
Dreizehn Kilometer anspruchsvolles Gelände kann auch ganz schön müde machen.

Gestern Abend sahen wir noch den Zettel worauf mit grossen Buchstaben geschrieben stand, dass man die Herberge bis acht Uhr zu verlassen hat. Sicher nicht im Winter, wenn es erst nach acht Tag wird, dachten wir. Zudem waren wir die einzigen verrückten in dieser einsamen Herberge.

Um zehn nach acht bin ich aufgewacht als draussen der Wind durch die Bäume sauste und der Regen an die Fensterscheiben prasselte. Ich wollte mir die Ohren zuhalten, nein, nicht schon wieder Regen. Liebend gerne wäre ich tiefer in den warmen Schlafsack gerutscht, stattdessen musste ich raus in die kalte Wirklichkeit. Eilig schlüpften wir in die wärmende Kleidung, acht Uhr hin oder her, jetzt brauchten wir zuerst einen heissen Kaffee und Frühstück.
Bei dem Wetter schickt man nicht mal einen Hund vor die Tür. Draussen goss es in Strömen als hätte jemand eine Dusche aufgedreht und der Wind trieb grosse Tropfen durch die undichten Fenster. Um halb neun hörten wir Dolores die Zwischentür öffnen und gleich wieder schliessen. Sie wollte sich nur vergewissern, dass wir noch im schützenden Haus sind. Die ganze Verzögerungstaktik nützte nicht viel, wir mussten trotzdem weiter.
Schliesslich zogen wir uns gut an, inklusive Fledermaus und machten uns auf den Weg. Der Regen hatte deutlich nachgelassen und der Wind die Stärke zurückgeschraubt.
Wir verliessen den kleinen Weiler San Esteban um halb zehn. Die Etappe führte durch so schönes Gelände, dass wir die Wanderung geniessen konnten, sowieso als wir eine Stunde später die Fledermaus einpacken konnten. Wir durchquerten den idyllischen Ort La Vega mit seinen schönen, gepflegten Häusern und den alten Maisspeichern. Bei so vielen Fotomotiven kommt man kaum vorwärts. Wir gelangten zum Strand, mussten über eine kleine Brücke auf eine Piste und freuten uns auf einen 'Strandspaziergang'. Überraschend bog der Weg vom Strand weg und es begann ein steiler Aufstieg. Der Weg wurde schmaler und plötzlich stiessen wir auf einen Wegabschnitt mit uralten groben Pflastersteinen. Ein geschichtsträchtiger Abschnitt mit knochenenbrecher Potential. Auf der Höhe hatten wir als Belohnung wieder Aussicht aufs Meer. Sogleich ging es wieder auf verschlungenen Pfaden durch die Landschaft. Mit diesen Wolken am Himmel und den Nebelstreifen gab es schöne Stimmungsbilder. Um halb zwölf erreichten wir den kleinen Ort Berbes. In unserem Buch heisst es: 30 Meter nach links gibt es eine kleine Bar, die aber unregelmässig geöffnet ist. Heute war nicht unregelmässig! Wir bekamen ein super leckeres Bocadillo mit Lomo und Käse (Schnitzelbrot). Nach dieser Pause ging es auf einem sehr steilen Fusspfad bergab. Was es schwierig machte war die unregelmässige Pflästerung und das nasse Laub.
Nach einem Stück Strasse ging es wieder auf Waldwegen bergauf und bergab. Auf dem Boden lagen Blätter, Rindenstücke und Kapseln der Eukalyptusbäume. Mit jedem Schritt lösten wir Duftstoffe aus. Inhalieren auf Pilgerart.
Mitten im Nachmittag erreichten wir La Isla. Alles wie ausgestorben, keine Touristen mehr, Hotels, Cafes etc. geschlossen. Wir bekamen den Schlüssel für die Herberge und Dona Angelita führte uns sogar hin. Der alte Teil vom Dorf ist sehr verwinkelt. Sie machte uns klar: selber kochen .... es ist alles geschlossen. Wir kochten uns eine wärmende Suppe, Teigwaren, Erbsen, Tomatensauce und Sardinen.
Wir fanden in der Herberge sogar eine Waschmaschine und einen funktionierenden Ofen!

Montag, 18. November 2013

115. Tag, Montag, 18.11.13

Piñeres - San Esteban, 14 km
Der neue Tag brachte das selbe Wetter wie gestern. Trotzdem hatten wir Glück, wir mussten die Fledermaus nie auspacken. Es nieselte zeitweise aus dem Nebel, Regen konnte man das jedoch nicht nennen. Den ersten Kilometer kannten wir von gestern schon, nur kam es mir heute viel kürzer und auch nicht so steil vor. Die sensationelle Aussicht auf die Berge war vom Nebel verhüllt, also marschierten wir ohne Halt an der (sowieso) geschlossenen Kirche vorbei.
Dann machten wir 'Pfeiljagd' und Pfützenslalom. Die gelben Pfeile (unsere Wegweiser) waren auf dem heutigen Wegabschnitt zum Teil verblasst, überwachsen oder so klein, dass man sie suchen musste. Ausser bei einem Haus ausserhalb eines Dorfes, dort war der Hauseingang so hübsch gestaltete und an der Gartenmauer das Wegzeichen für den Camino ganz gross und von weitem sichtbar. Dazu aber auch der Hinweis, dass Peregrinos hier willkommen sind.
Am Vormittag konnten wir etliche Kilometer auf Feldwegen marschieren. Nach dem vielen Regen in den letzten Tagen und Nächten waren die Wege zum Teil aufgeweicht und es hatten sich viele kleine und grosse Pfützen gebildet. Manchmal ein schwieriges Unterfangen daran vorbei zu balancieren.
Auf den ersten zehn Kilometer trafen wir nur auf geschlossene Gasthäuser. Heute nicht so tragisch da das Gelände genug Möglichkeiten zum Austreten bot. Zwei Mal mussten wir ein Bahngeleise überqueren. Nein, es war kein Bahnübergang, Fussgänger müssen über die Geleise steigen! Da die Züge nicht so oft fahren, ist es auch kein grosses Risiko.
Wir hatten uns vorgenommen bis um halb eins Ribadisella zu erreichen, damit es noch vor der Siesta zum einkaufen reicht. Unsere Zielherberge bot in der Umgebung weder Einkaufs- noch Verpflegungsmöglichkeit.
Ribadisella, ein kleines Küstenstädtchen, das im Sommer die Einwohnerzahl vervielfacht, hat viele kleine Läden und Boutiquen. Ein normales Lebensmittelgeschäft zu finden ist gar nicht so einfach. Schliesslich hatten wir diese Aufgabe erfüllt und wollten irgendwo eine warme Mahlzeit essen. Gleich um die Ecke, das erste Restaurant sah einladend aus und bot Menue del Dia zu einem akzeptablen Preis. Die Eingangstür führte in die Bar. Der Kellner hinter dem Tresen schaute uns fragend an. Auf mein 'comer' sagte er 'si' und kam geschäftig hinter dem Tresen hervor. Er führte uns in den Speisesaal und wies uns einen Tisch zu. Heiner staunte mich an und fragte: was hast du zu ihm gesagt, der hat dich sogar verstanden? Tja, Frau ist halt noch lernfähig ....

Nach dem guten und reichlichen Mittagsmenue durften wir über zwei Kilometer auf der Uferpromenade das Städtchen verlassen. Der Sandstrand wirkte sehr steinig und es hatte vom einmündenden Fluss Sella sehr viel Schwemmgut liegen. Blätter, Zweige, Äste, sogar Baumstämme lagen da. Dazwischen Spuren der Zivilisation: leere Bier- und Coladosen, leere Petflaschen in allen Grössen und Ausführungen, Schuhe, Flip-Flops, Plastiktüten usw.
Unser Weg führte von der Küste weg und nach zwei weiteren Kilometern allmählich immer steiler bergauf. Beinahe zuoberst auf dem Hügel fanden wir die Abzweigung zur Herberge. Nach fünf Minuten standen wir vor dem alten Schulhaus in dessen Erdgeschoss die Pilger übernachten können. Im oberen Stock wohnt die Familie die diese Unterkunft betreut.
Dolores hat uns freundlich empfangen, alles gezeigt, gefragt ob wir warme Schlafsäcke haben und ob wir noch Wolldecken wollen. Oh, oh, frio, frio und sie rieb sich fröstelnd die Arme.
Wir sind froh über die Kleider die wir dabei haben. Auch wenn alle schräg schauen wegen unseren grossen Rucksäcken: ein warmer Schlafsack, eine warme Jacke, warme Unterwäsche, all das braucht Platz und jetzt sind wir sehr froh über die warmen Sachen! Auch hier hat es keine Heizung. Dafür eine wunderschöne Aussicht. Sanft geschwungene grüne Weiden mit Schafen, Hecken, Steinmäuerchen als Begrenzungen, ein Eukalyptuswäldchen auf der rechten Hangseite und in der Ferne das Meer. Einfach schön und friedlich.

Sonntag, 17. November 2013

114. Tag, Sonntag, 17.11.13

Llanes - Piñeres, 23 km + 2
Wir haben gut geschlafen im Bahnhofgebäude von Llanes. Wir hörten nur zwei Mal einen Zug, einer gestern Abend und der zweite heute am Morgen. Um neun Uhr marschierten wir los. Es ging sogleich zum Strand, dann auf die Klippen und auf einem Fusspfad ein ordentliches Stück dem Meer entlang. Dann bog der Weg in den nächsten Ort ab und wir bekamen Gelegenheit für ein warmes Frühstück. Oh, hat das gut getan. Mit dieser Mahlzeit im Magen mochten wir gut marschieren. Es ging wieder durch grüne Landschaft, ein angenehmer Wanderweg. Bloss das Wetter liess zu wünschen übrig. Weil es so grau aussah, hatten wir schon am Morgen die Regensachen angezogen. Das schützt auch bei Wind. Während dem Marschieren hatten wir warm genug. Bei einem noch offenen Campingplatz gingen wir ins Restaurant, Gelegenheit für auf die Toilette und aus Anstand noch zwei Kaffee (die kosteten zusammen nur 2 Euro) konsumieren. Als ich von der Toilette zurück kam hatte uns der Wirt zwei Happen Tortilla mit Brot hingestellt. Dann schaute er unsere Karte an, verzog etwas das Gesicht und legte uns eine andere Karte hin. 'Asturien' sagte er und deutete uns, dass wir diese Karte mitnehmen können. So ein netter Kerl.

Am Nachmittag wurde der Himmel immer trüber und schliesslich begann es doch zu regnen. Wir montierten wieder mal die Fledermaus. Den ganzen Nachmittag über spielte das Wetter mit uns. Tüte an, Tüte ab, Tüte an, Kapuze runter, Kapuze auf .... etc.
Dann kam so langsam die Müdigkeit, der Blick wurde auf den Boden gerichtet und einfach ein Fuss vor den anderen gesetzt. Weiter, weiter, weiter. Wir hatten uns eine bestimmte Herberge ausgesucht und die wollten wir erreichen. In unseren Regenhüllen schossen wir direkt an der Herberge vorbei und merkten einen Kilometer später auf dem Hügel bei der Kirche: so doof, jetzt sind wir zu weit gelatscht. Das ist beim pilgern etwas vom schlimmsten: zurück gehen! Da es schon halb fünf war und die Dämmerung nicht mehr weit, blieb nichts anderes übrig.
Ach und wie sich das gelohnt hat! Wir wurden so freundlich empfangen und bekamen ein Häuschen für uns allein zugewiesen. Es hat eine Kochnische, Kaffee, Tee, Bisquits, Zucker, Gewürze! Wir konnten heiss (!) duschen und das Allerbeste: wir durften die Wäsche abgeben und bekamen sie zwei Stunden später sauber und trocken zurück! Rosa ist ein Goldschatz! Wir durften das Waschen nicht bezahlen.

Samstag, 16. November 2013

113. Tag, Samstag, 16.11.13

La Franca - Llanes, 20 km
Gestern Abend als wir ins Restaurant wollten ging gerade ein heftiger Graupelschauer nieder. Nach einigen Minuten konnten wir das Haus verlassen und sogar ohne Schirm ins Dorf gehen. Auch auf dem Heimweg wurden wir nicht nass. Der Vollmond blinzelte hinter den Wolken hervor und in der Ferne sah man es blitzen. Das Gewitter kam mit heftigen Sturmböen schnell näher. Die ganze Nacht hörten wir es draussen immer wieder pfeiffen, rütteln und prasseln.
Um acht Uhr dämmerte ein herrlicher Morgen. Die Streifen am Himmel liessen uns auf Sonne hoffen. Jedoch mussten wir Mütze und Handschuhe und lange Unterhosen anziehen. Auf den nahen Bergspitzen war es leicht Überzuckert.
Als wir im Restaurant beim Morgenkaffee sassen, sahen wir die drei Spanierinnen die mit uns in der Herberge in San Vicente waren, das Haus verlassen. Sie hatten im selben Ort übernachtet.

Die ersten Kilometer gingen entlang der Strasse, dann etwas über Feldweg und wieder entlang der Strasse. Wegen dem Bau der Autobahn ist der Jakobsweg hier zum Teil provisorisch markiert.
Nach dem zweiten Kaffeehalt ging es dann auf wunderschönem Küstenweg weiter. Zwischen Weiden und Eukalyptuswäldchen schlängelte sich der Wanderweg mehr oder weniger weit vom Meer entfernt. Oft entstand das Gefühl in der Schweizer Bergwelt zu laufen: Kuhglocken, sattgrüne Wiesen, Hügel, Täler, überall Felsbrocken wie hingestreut. Dazu Sonnenschein der uns wärmte, wir konnten sogar Kleiderschichten entfernen. Und dann hörten wir es fauchen, zischen, donnern. Unser Weg führte wieder gegen die felsige Küste, war jedoch etliche Meter von den Klippen entfernt. Immer wieder zischte und fauchte es, dabei stieg weisser Wassernebel aus Erdlöchern. Die Bufones de arenillas! Ein Naturphänomen. Im Laufe der Zeit sind Aushöhlungen im Felsboden entstanden die bis ins Meer reichen. Bei starkem Seegang drängen die Wellen schwungvoll in diese Höhlungen und unter lautem Getöse schiessen die Enden der Brandungswellen wie Geysire hoch aus diesen Kratern. Wir hielten unsere Mittagspause neben diesem Schauspiel.
Am Nachmittag ging es auf einen 'Höhenweg' und der kostete uns Kraft und Energie. Es ging nicht einfach schön auf dem Panoramaweg, sondern immer wieder steil nach unten und wieder hoch. Ursprünglich wollten wir noch 3,5 Km weiter laufen, aber weder das Tageslicht noch unsere Kraft hätten gereicht. Beim Erreichen des Ortes Llanes trafen wir die drei Chicas wieder. Sie teilten uns mit, dass die Herberge cerrado (geschlossen) sei. Sie wollen jetzt 'comer' (essen) und dann ein Zimmer suchen.
Wir marschierten direkt zum Tourist Office und erhielten dort die Auskunft, dass die Unterkunft 'Estacion' offen sei. Tatsächlich hing dort ein Zettel mit einer Telefonnummer an der Tür. Auf meinen Anruf hin wollte die Hospitaliere in zehn Minuten kommen und öffnen. Es waren spanische zehn Minuten .... bei uns hätte man gesagt in einer halben Stunde.
Ahhh ... und eine weitere Stunde später stellten wir fest: das ist mehr eine Notschlafstelle als eine Pilgerunterkunft. Wir haben jedoch für uns allein ein abschliessbares Zimmer bekommen. Es hat überall Radiatoren ..... keiner ist warm. Nicht mal im Waschraum! Das braucht Überwindung zum duschen.