Heute morgen war der Himmel bewölkt und die Sonne zeigte sich oft, dazu ein leichter Wind, ideale Verhältnisse zum waschen. Mit dieser Beschäftigung zog der Morgen vorüber und auch ein Teil des Nachmittags. Dann nahm die Bewölkung zu bis die Sonne schliesslich gar nicht mehr sichtbar war. Es sah nach Regen aus. Schnell brachten wir alles in 'Sicherheit'. Dann marschierten wir in die Stadt um Brot, Milch und andere Lebensmittel zu holen. Präzise bei den ersten Tropfen von oben waren wir wieder zurück.
Blog von unterwegs mit dem Wohnmobil. Ziel: Europa und die Welt bereisen solange es Spass macht und die Gesundheit erlaubt. Tagebuch vom Jakobsweg Basel - Vezelay - Limoges - Orthez, Bilbao - Ribadeo - Santiago - Finisterra 27. Juli 2013 bis 28. Dez. 2013
Montag, 6. Oktober 2014
6.10.14, Nevers
Sonntag, 5. Oktober 2014
5.10.14, Nevers
Der ganze Tag war trüb und es regnete immer wieder. Irgendwann rappelten wir uns doch zu einem Spaziergang auf. Die frische Luft tat gut, danach konnte ich mich wieder in mein Buch vertiefen und Heiner schaute ausgiebig TV.
Samstag, 4. Oktober 2014
4.10.14, St. Pére – Nevers
Wir verbrachten eine ruhige, ungestörte Nacht auf dem Platz der Gemeinde. Als wir Frühstückten waren die beiden Holländer bereits verschwunden.
Auch wir packten bald unsere sieben Sachen und fuhren nach Vézelay. Es hatte bedeutend weniger Touristen als beim letzten mal. In aller Ruhe konnten wir den Ort besichtigen, ausgiebig Fotos machen, etwas Geschichte studieren.
Zitat aus Der Jakobsweg vom Hochrhein bis Vézelay: das Kloster wurde um 850 gegründet. Im Jahr 1146 rief von hier aus Bernhard von Clairvaux zum zweiten Kreuzzug aus. Richard Löwenherz begann hier den dritten Kreuzzug. Franz von Assisi liess hier das erst Franziskaner-Kloster in Frankreich erbauen.
Die Kreuzzüge des Mittelalters, zu denen mit viel Begeisterung aufgerufen wurde und die mit vielen Toten und viel Ernüchterung endeten, sehen wir heute in einem anderen Licht. Davon zeugen die 15 Holzkreuze vom Kriegszug des Friedens im Jahr 1946, als Europa einen Krieg hinter sich hatte, der es zerrissen und zerstört hatte. Diese Pilgerschaft wird zu einem Ereignis der Vergebung und des Friedens: 14 Holzkreuze, zu Fuss getragen, aus England, Luxemburg, Schweiz, Italien und verschiedenen Teilen Frankreichs erreichen die Basilika. Nun verlangten einige deutsche Gefangene aus einem Lager der Umgebung, an der Prozession teilnehmen zu dürfen. Das fünfzehnte Kreuz wurde eilig hergestellt. Die Kreuze wurden wurden zu einem Zeichen der Versöhnung der Welt.
30 000 Menschen nahmen teil. Als Folge dieses Ereignisses wurde Vézelay ein Ort des Gebets um Versöhnung und ein Europa des Friedens. Ende Zitat.
Wir fanden das Kreuz der Schweizer in der Basilika.
Das Wetter war sehr angenehm und so setzten wir uns für das Mittagessen in ein Gartenrestaurant.
Nach ausgiebiger Mittagspause setzten wir uns in unser fahrendes Häuschen und verlegten den Standplatz nach Nevers an der Loire.
Freitag, 3. Oktober 2014
3.10.14, Pontailler-sur-Saône - St. Pėre s/Vezelay
Gestern haben wir die Route und die nächsten Campingplätze sorgfältig ausgesucht. Es gilt nun zu beachten, haben die Plätze noch offen oder schon geschlossen. Tja, im Internet stimmen die Angaben auch nicht immer.
Bei wiederum schönem Sonnenschein starteten wir die heutige Fahrt. Fernziel: der Campingplatz hinter Vezelay. Der sollte bis zum 15.10. offen haben.
Unterwegs stoppten wir bei einem Supermarkt. Wir waren so schön am gewünschte Lebensmittel einsammeln, als über Lautsprecher eine Durchsage ertönte. Wir verstanden kein Wort. Als jedoch plötzlich bei jeder zweiten Lampe das Licht ausging und vor den Regalen die Rollos hinunterglitten, verstanden wir die Botschaft. Dieser grosse Supermarkt hat über Mittag geschlossen! Wir eilten mit der Hälfte des Gewünschten zur Kasse. Milch und Brot kann man auch noch wo anders kaufen.
Nun peilten wir das Städtchen Semur-en-Auxois an. Diese schöne Altstadt hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, nicht zuletzt auch wegen der ausnehmend guten Ecclaire der Bäckerei Michel. Heute hatten wir Pech, die Siesta dieses Geschäfts dauerte uns zu lange.
Als nächstes Ziel steuerten wir Montberthault an. Die Wohngemeinde von Francis und Elisabeth. Auf Anhieb fanden wir das Haus, konnten am gegenüberliegenden Strassenrand bequem parken und uns auf die Suche nach unseren ehemaligen Wohltätern machen.
Das Tor zum Hof stand offen, die Haustür stand weit offen, auf dem Gartentisch stand eine Tasse, aber es war niemand da. Klopfen, rufen, klingeln, alles blieb ohne Reaktion. Kurzerhand legten wir die Toblerone und die Rahmtäfeli auf den Tisch und machten uns auf einen kleinen Rundgang durchs Dorf. Einige Minuten später waren wir zurück und nun sahen wir Francis, der eben aus dem Haus kam.
Erst schaute er uns fragend an, dann dämmerte die Erkenntnis: ahhhh! Ihr seid die Pilger aus der Schweiz die bis Compostelle gelaufen sind! Dort eingetroffen so um den 20. Dezember. Strahlend schloss er uns in die Arme. Quel surprise, quel surprise!
Habt ihr Elisabeth schon gesehen? Nein? Ah, sie ist noch am arbeiten.
Wir setzten uns zu dritt an den Gartentisch, erzählten mit den Worten die wir gegenseitig verstanden unsere Erlebnisse, oft auch mit Hilfe der Hände und Füsse. Später kam Elisabeth an den Tisch, schaute eine Sekunde fragend von Heiner zu mir, dann rief sie laut: ohh, ohhh! Quel surprise! Sie drückte uns und wollte gar nicht mehr loslassen. Quel surprise!
Beim Abschied bedankten sie sich für den Besuch, beide hatten sich sehr darüber gefreut.
Nun waren es nur noch 40 Kilometer bis Vezelay. Bald sahen wir die Türme der Basilika im Abenddunst. Die Strasse führte am Fusse des Hügels etwa zwei Kilometer weiter. Nach einer knappen Abzweigung und einer engen Durchfahrt zwischen den Häusern ging die Strasse über den Fluss, dann noch zweihundert Meter bis zum verschlossenen Tor des noch 'offenen' Campingplatzes. Dann halt wieder vier Kilometer zurück. Der Platz der Gemeinde St. Pėre ist auch nicht mehr offen. Trotzdem kann und darf man ihn benutzen.
Es sind noch zwei junge Holländer mit dem Zelt hier. Sie machen eine dreitägige Rundwanderung. Ausgangspunkt war Avallon. Da die beiden kein Licht dabei haben schenken wir ihnen gerne von unseren Rechaudkeren.
Donnerstag, 2. Oktober 2014
2.10.14, Pontailler-sur-Saône
Bei schönstem Sonnenschein machten wir eine Vormittagswanderung. Als wir auf dem Rückweg wieder die Stadtmitte passierten, zeigte das Thermometer eine Lufttemperatur von 28°. Dies war ideal um in aller Ruhe zu lesen und die weitere Route durch Frankreich festzulegen. Dank freiem Internet hier auf dem Platz, konnten wir herausfinden welche Campingplätze an unserem Weg noch offen sind. Auch auf Plätzen und an Strassen darf man mit dem Camper stehen, sogar bis zu sieben Nächten, ohne Tisch und Stühle auszubreiten.
Vorhin bestellten wir uns eine Pizza in der Strandbar, genossen dazu ein Bierchen und den schönen Sonnenuntergang am Fluss.
Mittwoch, 1. Oktober 2014
1.10.14, Villersexel – Pontailler-sur-Saône
Ursprünglich wollten wir heute bis Vezelay fahren. Nachdem wir die genauen Wohnorte unserer Wohltäter vom letzten Jahr überprüft hatten war klar, dass es zeitlich nicht bis Vezelay reicht.
Dann soll der nächste Übernachtungsplatz in Gray sein. Unterwegs wollten wir einen Besuch bei Monsieur und Madame Weiss (dem pensionierten Klavierstimmer mit Schweizer Wurzeln)machen .
Da es bis Gray überschaubare 90 Kilometer waren, konnten wir getrost am Morgen noch den Markt in Villersexel besuchen. In unserem Kühlschrank herrschte gähnende Leere und ich hoffte auf Marktstände mit frischem Gemüse.
Es hatte etwa zehn Marktstände mit Kleidern der Façon 'gestern bis vorvorgestern', drei Matratzenverkäufer, zwei Wurst- und Fleischanbieter, drei Schuhtische, zwei Schmuckstände, zwei Stände mit künstlichen Blumen und ganze zwei Anbieter mit frischem Gemüse. Mehr Auswahl braucht man nicht .... ich habe bekommen was ich wollte! Ahhh! Die Metzgerei Sautot hatte offen! Da mussten wir doch noch Fleisch kaufen. Wir erstanden zwei Koteletts von einer toten Sau und zwei Paar sehr leckere Gendarmes.
Dann fütterten wir unser Navi mit der Adresse von Familie Weiss. Auf kleinsten Nebenstrassen lockte uns dieses Gerät durch die Dörfchen.
Der grosse Restaurantparkplatz gegenüber der gewünschten Adresse bot auch unserem Camper komfortabel Platz. Sind die beiden daheim oder nicht? Sind sie überhaupt noch bei guter Gesundheit? Dies ist bei höherem Alter nicht selbstverständlich. Mutig überquerten wir die Strasse, öffneten das Gartentor und klingelten an der Haustür. Nach einer kleinen Weile wurde die Tür vorsichtig geöffnet. Madame Weiss erkannte uns beinahe sofort. Freundlich bat sie uns in die gute Stube. Schnell holte sie die Postkarte die wir den beiden von Santiago de Compostela geschickt hatten. Sie wollte wissen, ob wir die ganze Strecke gut bewältigt haben, ohne Krankheit, Unfall oder sonstigen Schmerzen. Unterdessen hörten wir, dass Monsieur im oberen Stock ist und sich schliesslich anschickte die Treppe hinunter zu kommen. Auch von ihm wurden wir freudig begrüsst. Er sei oben am Musik schreiben gewesen, erklärte er uns mit vielen französischen und einigen deutschen Wörtern. Madame Weiss bewirtete uns mit Kaffee und Bisquits währenddessen er bedauerte, dass wir keine Adresse auf die Postkarte geschrieben hatten. Er hätte uns geschrieben. Dieses Mal mussten wir unsere Adresse aufschreiben.
Nachmittags trafen wir beim angepeilten Campingplatz in Gray ein und stellten fest: da war gestern Saisonschluss! Was tun? Bis Vezelay durchfahren war uns zu viel für heute. Touristinfo?! Wo war die nochmal? Die Erinnerung funktionierte gut. Schnell fanden wir das gesuchte Gebäude, hatten diesmal Glück weil sogleich geöffnet wurde. Die nette Frau sagte: man kann auch vor der Schranke beim Campingplatz übernachten. Als Alternative gäbe es in Pontailler-sur-Saône einen Camping der noch geöffnet habe. Dort sind wir jetzt.
Und weil es so schön ist, bleiben wir zwei Nächte. Wir haben den ganzen Platz für uns allein! Einzelne Wohnwagen stehen noch, aber momentan ist niemand da.
Dienstag, 30. September 2014
30.9.14, Freiburg i. Br. - Villersexel (Frankreich)
Der Entschluss war schnell gefasst: wir fahren ein Stück über die Schwarzwald Hochstrasse! Durchs Hölltal und über den Feldberg boten sich uns schöne Landschaftsbilder. Dann, nach kurzer Distanz durch die Schweiz, passierten wir die französische Grenze und spürten sofort am Strassenzustand die anderen Verhältnisse. Ab nun hiess es immer wieder: weisch no letscht Johr?
Gelandet sind wir auf dem Campingplatz der Gemeinde Villersexel. Das letze Mal konnten wir in einem Zimmer der Gite d'Etappe übernachten, heute schlafen wir unter den Bäumen in unserer HeiMatd. Das Städtchen hat sich nicht verändert. A vendre, a vendre, a vendre! Hier könnte man spottbillig Häuser kaufen. Bloss ist das nicht attraktiv, das Zentrum um die Kirche wirkt immer noch schmutzig und gar nicht einladend. Die wenigen Restaurants sehen abweisend und geschlossen aus, ebenso die Boucherie Sautot .... oder haben sich Herr und Frau Schweizer wieder mal mit den Essenszeiten vertan? Als wir mit einem heissen, gefüllten Brot das Zentrum verlassen kommt langsam Leben in die bis anhin dunklen Restaurantküchen. Ahhh ja! Hier isst man frühestens um acht. Wir setzen uns um sieben an den Fluss, verzehren unsere Brote und spülen mit rotem Oktobertee nach. Santė.

