Sonntag, 17. Juli 2016

17.07.16, Fahrt nach La Cibourg

Zum Sonntagsfrühstück hatte sich Besuch angemeldet. Unser Sohn Michael kam mit seinen Jungs per Gummiboot vom Campingplatz Tariche (etwa fünf Kilometer Wasserweg), die Schwiegertochter fuhr mit dem Auto vor.
Für den Rückweg wollten die Jungs nicht mehr paddeln, wäre ja auch etwas schwieriger und zeitintensiver gegen den Strom.

Um die Mittagszeit packten wir unsere Habseligkeiten zusammen und verlegten den Standort unserer HeiMatd auf den Campingplatz La Cibourg.
Der grössere Teil dieses Platzes ist ein Feriendorf mit unterschiedlich grossen Behausungen, einem grossen Spielplatz, einem Restaurant und einem Tiergehege. Für uns ein idealer Platz weil er nur einen Kilometer vom Bahnhof entfernt und somit für die nächsten drei Etappen einigermassen gut erreichbar ist.

Samstag, 16. Juli 2016

16.07.16, Trans Swiss Trail 2, 3. Etappe

Soubey – Saignelégier.
Am frühen Morgen waren die Hügel nebelverhangen. Bis zur Abfahrt des Postautos nach Soubey war alles blank geputzt und der Himmel strahlte in leuchtendem blau.
Die ersten Kilometer ab Soubey führten uns wieder auf angenehmer, flacher Route dem Doubs entlang.
Bei Clairbief führt eine rote Fussgängerhängebrücke auf die andere Seite.
Mutig überquerten wir das schaukelnde Teil, um auf der anderen Seite festzustellen: das Restaurant ist geschlossen. Dann halt nicht. Zurück und weiter geht's.
Bei der ehemaligen Gereidemühle Jeannottat begann der Anstieg. Oh, war das steil! Da müssen sich ja die Hühner anseilen. Ich war um meine Stöcke mehr als froh. Abenteuerlich schlängelte sich der Pfad aufwärts, mal unter überhängenden Felsen durch, mal über oder unter Baumstämmen durch, mal Treppenstufen hoch, oder einfach durch Gestrüpp. Auf dieser Etappe braucht man gute Augen um die Wanderwegzeichen zu entdecken.
Nach etwa zwei Stunden schweisstreibendem Anstieg erreichten wir die typischen Juraweiden mit mächtigen Fichten. Freibergerpferde mit Fohlen betrachteten neugierig die vorbei marschierenden Wanderer. Die Bezeichnung 'Freiberge' stammt aus dem Jahre 1384, als die Regierung bestrebt war das Gebiet zu besiedeln. Damals erliess der Fürstbischof allen Einwanderern und ihren Nachkommen auf ihrem Grund und Boden für alle Zeiten den Zins und Zehnten. Die ersten Pioniere rodeten den Laubwald, da die vermodernden Blätter den Graswuchs behindern. Die Fichten wurden als Schattenspender stehen gelassen. So entstanden die für diese Region charakteristischen Wald- oder Wytweiden.
Bis Les Pommerats konnten sich unsere strapazierten Beine wieder etwas erholen, dann gab es nochmal einen kleinen, deftigen Anstieg bevor es nach Saignelégier hinunter ging.

Auf den bisherigen Etappen sind uns verschiedene 'Zaunüberwindungssysteme' begegnet: der klassische Rost auf einem Fahrweg, einige schmale, leiterartige Übertritte, aber die ganz fiesen sind die Zickzackdurchgänge mit links und rechts Stacheldraht, wo man mit der Kleidung oder dem Rucksack hängen bleibt. Nein, bis jetzt gibt es bei uns nichts zum flicken.
Dann gibt es noch etwas breitere 'Fussgängertore' die mit Bügel zu öffnen sind. Heute sahen wir, dass diese speziellen Bügeltore für die Reiter sind: man kann sie vom Sattel aus sehr gut öffnen und wieder schliessen! So praktisch.
Ach, und heute passierten wir ein Novum: eine Zweitrittleiter mit obendrauf einem Drehkreuz. Das gibt lustige Verrenkungen der Rucksackträger! Eigentlich sollte man das Filmen und dem Erfinder einen Orden verleihen.

Von Saignelégier aus fuhren wir mit dem Postauto zurück nach St. Ursanne. Diese Fahrt ist ein Highlight für Liebhaber von Passstrassen. Die Strasse bis Soubey gleicht dem Gotthard, nur ist die Fahrbahn nicht so breit. Haarnadelkurve folgt auf Haarnadelkurve. Sensationell und absolut empfehlenswert!

Freitag, 15. Juli 2016

15.07.16, Trans Swiss Trail 2, 2. Etappe

St. Ursanne – Soubey.
Die heutige Etappe war mehrheitlich flach und führte entlang des Doubs der mal leise plätscherte, mal lauter rauschte oder einfach still dahin floss. Unzählige schöne Anblicke bieten sich hier dem Wanderer. Es ist ein Genuss.
Der Doubs hat seine Quelle beim Mont Risoux in Frankreich, die Mündung in die Saône liegt in nur 90 Kilometern Luftlinie entfernt. Dazwischen gibt es jedoch so viele Windungen und Schlaufen, dass es schliesslich insgesamt 430 Kilometer sind. Da der Fluss hier nicht tief ist und keine starke Strömung aufweist wird er gerne von Anfängern zum Kanufahren genutzt. Entsprechende Touranbieter gibt es hier viele.
Von Soubey aus fuhren wir mit dem Postauto (die Chauffeuse leerte unterwegs tatsächlich die gelben Briefkästen) zurück zum Campingplatz.
Regen bekamen wir gestern genug ab, heute blieb es trocken.

14.07.16, Trans Swiss Trail 2, 1. Etappe

Porrentruy – St. Ursanne.
Ungern stand ich heute morgen auf. Es war noch so gemütlich und kuschelig warm in meiner Koje, dazu das Geräusch von Regen auf dem Dach, da wäre es doch viel schöner im Bett. Kenner der Szene lachen sich jetzt bestimmt einen Schranz: Martins wollen wandern, logisch dass es regnet!
Mein privater Wetterprophet verkündete: es regnet nur am Morgen, Nachmittags gibt es Aufhellungen.
Wir nahmen einen späteren Zug nach Porrentruy und besichtigten zuerst das hübsche Städtchen. Die Regentropfen fielen inzwischen nicht mehr so dicht, wir konnten, ohne uns zu verhüllen, durch die Gassen flanieren und fotografieren.
Vor dem Rathaus wurden wir von einem ortskundigen Passanten angesprochen. Seine Kleidung war mehr als originell, das Hemd schief geknöpft, die Hose fadenscheinig dünn, mit aufgebügelten Patches auf dem Hosenboden und modernen Rissen über dem Knie. In einem Gemisch aus deutsch und französisch erklärte er, dass die Skulptur der Wildsau aus dem Jahr 1936 stammt. Gut zum fotografieren, mais heute ist la lumiere nicht so gut. Oh, und er empfehle uns den Jardin botanique zu besuchen. Es sei nicht weit, aber absolut sehenswert. Zum fotografieren sei halt das lumiere heute nicht so gut, aber der Jardin sei ein ganz guter Tipp. Und schon eilte er mit flatternden Ärmelmanschetten davon.
Botanischer Garten! Da gab es nicht viel zu überlegen für uns. Eilig befolgten wir den guten Rat und lenkten unsere Schritte zu dem berühmten Jardin.
Wir erfuhren, dass er bereits 1792 angelegt wurde und einer der ältesten der Schweiz ist. Der kleine (für uns grosse) Teil den wir sahen, war sehr schön und eindrücklich und weckte den Wunsch diesen Garten zu einem späteren Zeitpunkt nochmal zu besuchen.
Stärker fallende Regentropfen trieben uns in ein Restaurant. Da es gerade Mittagszeit war, bestellten wir Salat Jurassienne bezw. Rösti mit regionalen Würstchen.
Gut gestärkt starteten wir auf unsere Wanderung, zumal der Regen eine grössere Pause einlegte.
Die erste Stunde konnten wir geniessen, danach wurde es nass und nässer.
Es gab Situationen wie einst unterwegs nach Santiago. Alles schon da gewesen, alles schon erlebt!
Es gab nichts anderes als: 'Gring ache u marschiere'! Stetig ging es bergauf und das Wasser tropfte vom Hut, nicht vom Schweiss sondern vom Regen. Nach anstrengenden, endlosen fünf Kilometern seit Regenbeginn standen wir auf der Höhe von Les Chainions. Da wurden wir endlich erhört und die Tropfen wurden spärlicher bis es schliesslich ganz aufhörte. Auf 885 M.ü.M herrschte eine Stimmung wie im Herbst. Kühle Winde, Nebelschwaden, diffuses Licht.
Eine halbe Stunde später schien die Sonne und wollte sich mit uns versöhnen. Nun pellte ich auch meinen Fotoapparat aus dem Rucksack, den ich dort vor der Nässe in Sicherheit gebracht hatte.
Der steile Abstieg zum Weiler Seleute glich einer Rutschpartie zwischen Kuhfladen und mit Wasser gefüllten Huflöchern. Heil erreichten wir viel weiter unten das Strässchen, putzten unsere schweren, verschmierten Wanderschuhe und schickten uns an den Ort zu durchqueren. Überrascht blieben wir vor einem angeschriebenen Haus stehen. In unserem Wanderführer war hier keine Einkehrmöglichkeit verzeichnet. Solche Gelegenheiten lassen wir nicht ungenutzt. Wir setzten uns vor dem Haus in die Abendsonne und genossen eine Tasse Kaffee.
Die restlichen fünf Kilometer bis St. Ursanne und zu unserem Campingplatz schafften wir mit unseren letzten Reserven. Die heutige Etappe war nur 17 Kilometer lang, mit den Höhenmetern, dem zum Teil schwierigen Gelände und dem Regen trotzdem sehr anstrengend.
Kurz nach Ankunft in unserer Heimatd begann es wieder zu regnen und es regnete bis weit in die Nacht hinein.

Mittwoch, 13. Juli 2016

13.07.16, St. Ursanne

Bei kühlen Temperaturen und regnerischer Stimmung nahmen wir Abschied von unseren Lieben daheim und starteten in ein neues Abenteuer.

Die Fahrt durchs Laufental Richtung Delémont führte uns durch bekannte Zonen.
Auch St. Ursanne am schönen Doubs ist uns auch nicht gänzlich unbekannt, jedoch die Eremitage war eine Neuentdeckung. Hoch über St. Ursanne lebte einst ein Einsiedler, die 190 Stufen zur Höhle erklommen wir trotz Regen.
Die Aussicht von oben war beeindruckend.
Zurück im Städtchen bewunderten wir den historischen Ortskern, den Kreuzgang der Stiftskirche, die Stadttore, den Blumenschmuck und natürlich den Brunnen.

Sonntag, 10. Juli 2016

10.07.16, Oberdorf

Unser sechstes Enkelkind kam am 27. Mai zur Welt. Thimo ist gesund und munter und gedeiht gut.

Heiner hat in der Zwischenzeit fleissig am Parkplatz gebaut, das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Nun stehen noch einige Anpassarbeiten an, diese sollten innert einem Tag erledigt sein.

Unser Haus in Häfelfingen bekommt neue Mieter. Damit dort klare Sicht herrscht, wollen wir morgen noch die Fenster putzen.
Ein neues Reiseabenteuer ist ab Mittwoch geplant.
Zuerst soll es auf dem Trans Swiss Trail No 2 quer durch die Schweiz gehen. Zu Fuss!
Unsere HeiMatd werden wir jeweils an strategisch günstigen Orten platzieren, damit wir unser Bett immer in erreichbarer Nähe haben. Der Fernweg startet in Pruntrut und endet im Tessin. Wir freuen uns darauf und hoffen es gelingt uns wie geplant.
Danach wollen durch Österreich, mit Ziel Ende August in Zell am See zu sein. Unser Sohn ist fleissig am trainieren und will, zwei Jahre nach seinem schweren Sturz bei diesem Ironman, sein Glück packen! Mein Herz ist zweigeteilt: einerseits bin ich stolz, dass er sich mit eiserner Disziplin zurückgekämpft hat, auf der anderen Seite habe ich Angst. Ich denke aber um dieses Trauma endgültig zu verarbeiten müssen wir da durch.

Im September möchten wir entweder noch in Österreich bleiben oder Bayern erkunden.
Anfang Oktober sind wir für zwei / drei Wochen wieder daheim in der Schweiz.

Donnerstag, 12. Mai 2016

12.05.16, Plombières les Bains

Heute sind wir bis in die Vogesen vorgerückt. Teilweise hingen die dunklen Regenwolken in der Ferne so tief, dass man das Gefühl hatte, sie berühren den Boden. Die meiste Zeit der Fahrt hatten wir keinen oder nur wenig Regen, jetzt jedoch ist es düster und bereits dämmerig als wäre es schon 21 Uhr und ein Dauerregen wäscht den Reisestaub von unserem Fahrzeug.
Morgen geht unsere Frankreichrundreise zu Ende. Bei euch liebe Freunde und Leser bedanken wir uns für die Anteilnahme, das Mitreisen in Gedanken, die Kommentare und die Grüsse die uns irgendwo unterwegs erreicht haben.
Dieser Blog ruht nun bis voraussichtlich am 10. Juli 2016, dann beginnt hoffentlich ein neuer Reiseabschnitt. Herzliche Grüsse und vielleicht sehen wir uns ja in der Zwischenzeit

eure Madeleine und Heiner