Freitag, 5. August 2016

05.08.16, Trans Swiss Trail 2, 20. Etappe

Seelisberg – Erstfeld, zweiter Teil. (Erster Teil folgt übermorgen)
Der Regen brachte Abkühlung, guter Schlaf und einen gemütlichen Vormittag. Erst um zwölf Uhr schnallten wir uns die Rucksäcke auf den Rücken und marschierten zum Bahnhof. Wir wollten mit dem Zug nach Erstfeld und den zweiten Teil dieser langen Etappe retour wandern. Das Höhenprofil zeigte kaum Steigungen und Gefälle, so konnten wir das auch bei nassen Verhältnissen gut bewältigen. Der Regen hatte aufgehört, wir hofften auf einen trockenen Nachmittag.
Beim Bahnhof in Erstfeld fanden wir sofort den Einstieg auf den Trans Swiss Trail, querten die Bahn durch die Unterführung und die Reuss über eine Brücke.
Auf der anderen Uferseite verlief der Wanderweg auf dem Damm entlang des reissenden Flusses. Ausserhalb der Ortschaft setzten wir uns auf eine Bank und verzehrten unseren späten Mittagslunch. Von der entgegengesetzten Richtung näherte sich ein sehr betagter Spaziergänger. Wir rückten zusammen, damit er auch noch Platz hatte. Im Gespräch erfuhren wir, dass er bereits 84 Jahre alt ist. Er habe bei der Bahn gearbeitet. Ursprünglich wollte er Automechaniker lernen, er habe bereits eine Lehrstelle gehabt. Aber der Vater sei dagegen gewesen! Er solle zuerst einmal Geld verdienen! Da sei er halt zuerst als Knecht auf die Alp. Gerne wäre er an die Chilbi, aber im ersten Jahr habe er sich nicht getraut. Im zweiten Jahr sei er dann mit 5 Franken und 20 Rappen im Sack an die Chilbi gegangen. Er habe sich gesagt: das reicht schon, essen muss ich ja nicht. Ja, das was die anderen auf dem Teller gehabt haben, das hätte ihn schon gelüstet .... so ein richtiges gutes Essen. Aber die Musik und der Tanz habe ihn abgelenkt. Das sei sehr schön gewesen. Nach dieser Zeit sei er zur SBB gegangen. Die haben ihn auch als 'Ungelernter' genommen.
Dann bemerkte er Heiner's Mütze mit dem Wappen und Schriftzug von Frenkendorf. Nachdenklich sagte er: Frenkendorf, Frenkendorf, warum haben sie eine Mütze von Frenkendorf? Er habe in seiner Anfangszeit bei der Bahn fünf Jahre in Frenkendorf gearbeitet.

Auf unserer Weiterwanderung hatten wir über die Erzählungen des alten Eisenbahners zu diskutieren. Der Weg stieg leicht bergan, links vom Pfad ein steiler von Felsen durchzogener Hang, rechts weiter unten die rauschende Reuss. Plötzlich gelangten wir zu einem Tunnel und überall auf den Felsvorsprüngen und in den Nischen standen, lagen, knieten Porzellan- und Tonengel in allen Grössen uns Variationen.
Um den Felsentunnel zu durchqueren konnte man Licht machen, mitten im Tunnel das Schild 'Axenstrasse en miniature'. Auf der anderen Seite dann die Tafel: Engelsweg.
Wieder am Ufer der Reuss entschieden wir uns ins Zentrum von Altdorf zu gehen und dort einen Kaffeehalt zu machen. Danach wollten wir mit Bus und Zug zurück nach Brunnen.
Ein Ausbildungskollege von mir hat in Altdorf seine Praxis. Ich wollte nicht hier im Ort eine Pause machen, ohne ihm einen Gruss per SMS zu hinterlassen. Und siehe da, manchmal passt einfach alles zusammen: er hatte Ferien, war in der Nähe, hatte Zeit. Die Überraschung war perfekt und die Freude beiderseits. Nach diesem Treffen brachte uns ein Bus nach Flüelen und mit dem Interregio erreichten wir Brunnen in kurzer Zeit.

1 Kommentar:

  1. Liebe madeleine, lieber Heiner.
    Schön eure Wanderungen, aber noch schöner sind eure manchmal seltsamen, aber doch immer hoch interessanten Kontakte.Von denen wünsche ich euch noch soooooo viele!
    Ja, ich beneide euch sogar darum. Ich glaube ich mache mich in Häfelfingen auf den Kontakt-Pilgerweg.
    Liebe Grüsse Myrta

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