Montag, 22. April 2024

Reisenews

Wir sind heute mittag in Bilbao angekommen. Die Busfahrt dauerte etwa 90 Minuten und war recht kurzweilig. Wir haben beide noch nie erlebt, dass ein Bus in eine ganz enge Ortschaft fährt wo es am Ende der Strasse nicht mehr weiter geht. Der Wendeplatz ist eine Drehscheibe. So wird der Bus gewendet ohne die Nerven von Fahrer und Fahrgästen zu strapazieren. Der Bus fährt auf die Drehscheibe, der Fahrer steigt aus und setzt den Drehmechanismus in gang, steigt wieder in den Bus und nach dem Wendemanöver wird die Fahrt fortgesetzt. Apropos strapazierter Nerven: Heiner sass wohl zu nah am Fahrer. Er hatte nach der Fahrt immer noch ganz verkrampfte Hände und Füsse vom angespannten mitfahren. 
Die zentrale Busstation von Bilbao wurde offenbar neu gebaut. Wir haben das nicht so gross in Erinnerung. Das ist nun mit einem Flughafen oder einem mehrstöckigen Bahnhof vergleichbar. Wir mussten uns orientieren und zurecht finden. Zuerst vom Perron in die grosse Wartehalle. Dann die Rolltreppe nach oben suchen, im Zwischendeck ging es an Läden, Imbissbuden und Ticketschaltern für die verschiedenen Buslinien vorbei, durch einen Gang und nochmal eine Rolltreppe hoch ans Tageslicht. Dank Google Maps mussten wir heute keine Polizisten nach dem Weg fragen. Beim Mamés Stadion machten wir ein Selfie für unseren fussballbegeisterten Enkel. Der Weg in die Altstadt schenkte uns viele Erinnerungen und wir hatten es lustig. In der Kathedrale bekamen wir den letzten Stempel in unseren Pilgerpass, jetzt ist das für uns abgeschlossen. Weiter ging es bis zum Guggenheimmuseum. Fotos, Fotos, klick, klick. Jetzt sind wir nicht mehr Pilger, jetzt sind wir Touristen. Heute leuchtet Puppi der Blumenhund in vielen Frühlingsfarben. Letztes mal war November und die Blütenzeit vorbei. Ich fragte ein anderes Touristenpaar ob sie von uns ein Foto machen. Im Gegenzug streckte er mir sein Handy entgegen und ich machte Fotos von ihnen. Ich wollte wissen woher die beiden sind. Mexico war die Antwort. 
Inzwischen hatte ich von der Unterkunft die Meldung erhalten, dass unser Zimmer nun bezugsbereit sein. Der Zugangscode für die Haustür, der Code für die Wohnungstür und ein anderer Code für unsere Zimmertür erhielt ich ebenfalls auf elektronischem Weg. Da sitzt niemand mehr am Empfang und betätigt den Türöffner, begrüsst die Gäste und händigt einen Schlüssel oder eine Schlüsselkarte aus. Das ist Corona konform: kein persönlicher Kontakt. 
Nach dem Zimmerbezug sortierten wir die Schmutzwäsche aus. Auf dem Weg zur Pension haben wir, um die Ecke,  eine Self made Wäscherei entdeckt, die wollten wir aufsuchen. Vor Ort erhielten wir Starthilfe von einer Spanierin die sich bestens mit dem Prozedere auskennt.  Unsere Wäsche wurde in kurzer Zeit sauber und trocken. 
Morgen gehts nochmal auf Besichtigungstour. 

Sonntag, 21. April 2024

Projekt beendet.

Wir wurden gestern Abend sehr gut verpflegt. Nach einer erholsamen, ruhigen Nacht und einem guten Frühstück mit angenehmer Gesellschaft starteten wir auf die heutige Etappe. Die Sonne schien, die Vögel pfiffen und das Bächlein neben dem Weg plätscherte leise. Ach wie ist das herrlich so zu wandern. Viel zu früh erreichten wir das anvisierte Tagesziel. Vor den Toren vier Stunden zu warten erschien uns unsinnig. Die Beine waren noch nicht müde, die allgemeine Verfassung war gut. Sollen wir weiter gehen oder nicht? Bis zur nächsten Herberge wären es nochmal etwa zehn Kilometer. Laut Pilgerapp könnte man reservieren. Ich versuchte erfolglos zu telefonieren. Es wäre hilfreich zu wissen, ob noch ein Bett frei ist oder nicht. Da man auch SMS schicken konnte/durfte, versuchte ich es so. Email geht erfahrungsgemäss schief bei diesen Einrichtungen. 
Ich fragte zwei junge Frauen, die neben uns Rast machten, wo sie übernachten. Die beiden wollten die selbe Herberge ansteuern wie wir. Reserviert haben sie auch nicht.
Um es vorweg zu nehmen: ich bekam keine Reaktion von der Herberge. 
Wir wollten nicht länger vor dem Kloster bleiben. Risiko. 
Auch am frühen Nachmittag machte es freude durch die Frühlingslandschaft zu marschieren. Im Vergleich zu gestern hatten wir viel weniger Steigung, jedoch blies ein kühler Wind. Um 16:30 Uhr erreichten wir, inzwischen müde, die Herberge. Oh, da war was los! Wie in einem Bienenhaus ein hin und her. So viele Leute! Als die Hospitaliere an uns vorbei eilte, konnte ich fragen ob noch Platz sei. Completo lautete die Antwort. All die Pilger hatten frühzeitig reserviert. Das ganze Mitleid der Anwesenden nützte nichts. Inzwischen hatten auch die beiden Mädchen von der Mittagsrast die Herberge erreicht und staunten nicht schlecht über das volle Haus.
Ich hatte derweil ein Zimmer in einem Casa Rural gebucht. Zwanzig Kilometer weiter. Netterweise bestellte uns die Hospitaliere ein Taxi. Die beiden Mädchen nahmen wir ein Stück weit mit und setzten sie vor einer Jugendherberge ab.
Uns reicht es mit dem Kampf um ein Bett auf dem Camino. Niemals hätte ich diesen Run schon im April auf dem Camino del Norte erwartet. 
Zuhause haben wir uns vorgenommen: schön wenn es klappt, wenn nicht, machen wir eifach irgendwo Ferien. Ich hätte eher mit gesundheitlichen Problemen gerechnet. Nun gibt es zuerst drei Ferientage in Bilbao, dann schauen wir weiter.

Samstag, 20. April 2024

Mit letzter Kraft.

Vor der heutigen Etappe hatten wir Respekt. Ganze 24 Kilometer und viel bergauf und am Schluss mit müden Beinen steil bergab, diese Vorhersagen machten uns Kopfschmerzen. Wie schaffen wir das? Es gibt auf dieser Etappe keine Abkürzungen oder Unterbrechungen. Da muss man am Stück durch. Die Lösung für uns: Gepäcktransport. Gemeinsam mit anderen Pilgern die auf irgend eine Art gehandicapt sind, wurde das organisiert. Erleichtert im wahrsten Sinne konnten wir starten. Es war schön, steil, immer noch schön, mit tollen Aussichten, dazwischen etliche Kilometer angenehm zu gehen und am Schluss tatsächlich sehr steil nach unten. Zuerst auf einem rutschigen, morastigen und steinigem Pfad und als Abschluss eine steile Piste mit ganz grobem Schotter. Seitlich hatten liebe Leute ein Seil montiert, damit müde Wanderer sich daran fest klammern können. 
Unser Lichtblick nach der schlaflosen Nacht im Massenschlag mit mehreren hardcore Schnarchern: wir haben ein reserviertes Doppelzimmer im Casa Rural Ixtcauspe etwas ausserhalb vom Dorf. Kein scheppern vom Glascontainer um Mitternacht, keine letzter Zug um 01 Uhr und keine Müllabfuhr um halb drei in der Früh! Jetzt freuen wir uns auf eine warme Mahlzeit und auf eine Nachtruhe die diesen Namen auch verdient!
Es geht uns gut.

Freitag, 19. April 2024

Weiter auf und ab.

8. Etappe von Zumaia bis Deba.
Wir haben herrlich geschlafen in unserem Hotel. Nach einem guten Frühstück starteten wir in den sonnigen Tag. Aussicht sensationell, Himmel strahlend blau, Luft erfrischend, Strecke ... viel auf und ab. Es sind viele Pilger und sonstige Wanderer unterwegs. Die Herberge in Deba ist im Bahnhofsgebäude untergebracht. Es hat 56 Betten und die meisten sind besetzt.

Donnerstag, 18. April 2024

Beinahe trocken.

7. Etappe von Zarautz bis Zumaia. 
Die Strecke von gestern steckt noch in den Knochen, entsprechend langsam starten wir in den heutigen Tag. Die Mitpilger in der Zeltunterkunft starten auch nicht extrem früh. Der Franzose zieht los, während der Spanier draussen vor dem Zelt noch Yogaübungen und Kraftübungen mit dem Theraband macht. Wir packen unsere Sachen und steuern das Restaurant für ein Frühstück an. Kaffee und ein Croissant als Stärkung für die ersten Kilometer. Das Croissant saftet beinahe vom vielen Butter im Teig, dazu bleibt es an den Fingern kleben weil es rings um mit Konfitüre eingestrichen ist. Aber lecker ist es. 

Mit den ersten paar hundert Meter Weg umrunden wir den Campingplatz, dann geht es viele Stufen hinunter zum Strand von Zarautz. Der erste Kilometer forderte somit noch nicht so sehr. Der ganze Strand zieht sich auf einer Länge von zwei Kilometern. Alles flach. Die Herausforderung hier war der Gegenwind. Wir erreichten Getaria nach sechs Kilometern und wurden kurz vor den ersten Häusern kräftig von oben begossen. Eilig stellten wir uns bei einer Bushaltestelle unter. Ein Passant fragte in welche Richtung wir wollen, Zarautz oder Zumaia. Ah, Zumaia, da müsst ihr auf die gegenüber liegende Seite. No, no autobus. Wir sind Pilger. Ah, claro, dann ist diese Seite richtig. Der Regen liess etwas nach, aber unsere Hosenbeine waren nass. Wir setzten uns in eine Bar, bestellten Tortilla und Pinchos und liessen die Hosen trocknen.
Inzwischen klarte der Himmel etwas auf und rechtzeitig zu unserem Aufstieg in Hügel wurde es wärmer.
Auch heute gab es Strecken mit mittelalterlichem Knochenbrecherweg. Trotzdem genossen wir die abwechslungsreiche Landschaft, die Sicht auf Reben und ab und zu einen Blick aufs Meer. Um 15:00 Uhr erreichten wir Zumaia und steuerten unser gebuchtes Hotel an. Heute haben wir ein grosses Zimmer mit Balkon und eigenem (geheiztem) Bad, grosse, flauschige Badetücher, genügend Steckdosen um unsere Geräte zu laden, ein Bett in das keines von uns klettern muss, wir schlafen luxuriös.

Mittwoch, 17. April 2024

April, April macht was er will.

6. Etappe von San Sebastian bis Zarauz. Die Pension verliessen wir am morgen ohne Frühstück im Bauch. Den Schlüssel konnten wir liegen lassen, die Reception wird erst nach neun Uhr besetzt. Was wir nicht bedachten: die meisten Bars öffnen auch frühestens um neun, Restaurants noch später. Etwas zögernd marschierten wir Stadtauswärts. Da, kurz vor einem Frühstückschwächeanfall entdeckten wir eine Bäckerei. Wir wurden gerettet!

Die Strecke war heute wiederum sehr abwechslungsreich: hinauf, hinunter, mit Regen, ohne Regen, mit etwas Sonne, steinig, pflotschig, rutschig, dreckig, mit Stufen und streckenweise mit einem mittelalterlichen Karrenweg, mit Wind, ohne Wind, kalt, etwas wärmer, nur Schnee gabs nicht.
Andere Pilger haben wir etliche getroffen. Mit einem kamen wir etwas ins Gespräch weil er offensichtlich Mühe hatte. Dieses auf und ab mache ihm mehr Mühe als erwartet. Er wollte bis zur Herberge in Orio gehen. Bloss ist die seit einiger Zeit geschlossen, was er nicht wusste. Er könne unmöglich weiter. Er fragte uns nach unserer Unterkunft. Da das aber vier Kilometer mehr sind, wollte er ein Zimmer in Orio suchen. Ich hoffe und wünsche ihm, das das klappt.
Ab diesem Treffen hatten wir noch sieben Kilometer zu bewältigen. Und was da auf uns zu kam, war nicht die einfachste Strecke. 

Wir sind jetzt auf dem Gran Camping Zarauz in einem grossen Zeltbungalow  für 20 Pilger. Eine andere Art von Herberge, aber nicht die schlechteste. Wir sind sehr zufrieden damit. Wir haben bereits geduscht und nun sind die schmutzigen, müffelnden Kleider in der Waschmaschine. Morgen können wir mit komplett frisch gewaschenen Klamotten starten. Das wird super!

Dienstag, 16. April 2024

Desayuno und Stadtspaziergang

Ausschlafen und gemütlicher Stadtbummel war heute auf dem Tagesplan. Wir schliefen bis neun Uhr und suchten danach ein Lokal fürs Desayuno. Café con leche, zumo de naranja und Bola (Gipfeli) standen bald vor uns auf dem Tisch.

Trotz zeitweisem Nieselregen und ungemütlich kaltem Wind schlenderten wir durch die Stadt und entdeckten dank Geocaching auch spezielle Ecken. Wir fanden einen Lift, der uns auf eine Aussichtsplattform brachte. Plötzlich befanden wir uns auf Augenhöhe mit der Turmspitze der Kathedrale.

Den Hügel Urgull mit der Christusstatue auf der Kuppe umrundeten wir bei starkem Wind. Hochsteigen wollte ich nicht, die vielen unregelmässigen Treppenstufen von gestern stecken mir noch in den Waden und morgen gibt es auch einiges an Auf- und Abstieg. 

Montag, 15. April 2024

Nasser und kühler Start.

5. Etappe: Pasaia bis San Sebastian. Auch heute wurden wir um sieben mit Musik aus seligem Schlummer geholt. Gregorgianische Gesänge. Klar: unsere Herberge ist im Anbau der Kirche. Bis acht Uhr mussten wir draussen sein ... ohne Frühstück. Das konnten wir in einer sehr kleinen Bäckerei, nach dem steilen Abstieg zum Hafen, nachholen. Mit warmem Kaffee im Bauch waren wir gerüstet für den Nieselregen und die Überfahrt über die Hafeneinfahrt bezw. über den Ria de Pasaia. Bald nach verlassen der Personenfähre ging es unzählige Treppenstufen hoch. Mit all dem Regenzeug und dem grossen Rucksack kamen wir bald zum schwitzen. Stufe um Stufe gewannen wir Höhe, oben erwartete uns ein wunderschöner Wanderweg. Wir genossen die Strecke und konnten uns vom Aufstieg erholen. Bis zum Abstieg nach San Sebastian war es angenehm. Dann wurden die Beine nochmal gefordert. Wir hatten Zeit, mussten uns nicht beeilen. Für heute und morgen haben wir ein Pensionszimmer gebucht. Kein Rennen und Kampf um ein Bett in der Herberge zu ergattern. Es wären zwei Jugendherbergen hier in San Sebastian. Man braucht einen JH Ausweis und die Übernachtung für unsere Alterskategorie kostet beinahe so viel wie das Zimmer mit eigenem Bad in der Pension. Wir gönnen uns nach bisher ca. 75 Km diesen Luxus. Morgen schauen wir uns die Stadt an. Übermorgen gibt es wieder eine anstrengende Etappe.

Sonntag, 14. April 2024

Licht und Schatten.

4. Etappe von Irun nach Pasaia. Ich habe trotz kollektivem Schnarchen verhältnismässig gut geschlafen. Heiner sowieso. Um halb sieben begannen die Ersten mit packen. Um sieben ging das Licht an, ein Hahn krähte aus einem Wecker und Musik tönte aus dem Lautsprecher. Zwischen sieben und acht Uhr konnte man ein kleines Frühstück haben, um acht musste man jedoch draussen sein. Auch Martins schafften das. Sogar ich fand es schön um diese Zeit los zu laufen. Anfangs ging es dem Canal Almuteko entlang dann mit steilem Anstieg zur Kirche der Heiligen von Guadalupe. Dem Kaffee am kleinen Kiosk konnten wir nicht widerstehen. Der Weg ging weiter bergauf, wir entschieden uns jedoch für die leichtere Variante und folgten der Abzweigung dem Jaizkibel entlang. Für uns die richtige Entscheidung. Leichter bedeutet nicht unbedingt leicht. Trotzdem konnten wir es geniessen im Frühlingswald durch Licht und Schatten zu marschieren. 
Zur (spanischen) Mittagszeit erreichten wir unser heutiges Ziel. Da die Herberge erst um 16:00 öffnet, gönnten wir uns ein warmes Essen in einem Restaurant. Diese gute Mahlzeit reicht auch gerade noch fürs Abendessen. Kurz vor vier Uhr standen wir vor der kleinen Herberge und erhielten gerade noch eines der letzten Betten. Nach dem üblichen Prozedere setzte ich mich  draussen an die Sonne. Von dort hatte ich Sicht auf den sonnigen, geschützten Hafen. Um die Hausecke kann man die langgezogene Hafeneinfahrt zwischen zwei Hügeln sehen und dahinter das offene Meer. Plötzlich rief der Hospitaliero ich soll schauen. Wie eine Wand drängte dichter Nebel vom Meer her in den Hafen. Der Wind dazu blies ungemütlich kalt. Morgen soll es regnen. 

Samstag, 13. April 2024

Erledigt in Irun angekommen.

3. Etappe von Ciboure nach Irun. Es geht uns gut, wir sind einfach erledigt von der Wärme, dem Lärm und der Anstrengung. Viele Kilometer auf Teer entlang der Küstenstrasse. Der Wanderweg ist auf weiten Teilen gesperrt. Die Küste bröckelt, es ist zu gefährlich dort zu wandern. Um so mehr haben wir die Abschnitte durchs Grüne genossen,  die spektakulären Aussichten auf die Küste, oder den Abschnitt über den Strand von Hendaye. Nun sitzen wir in der Herberge von Irun und teilen uns ein Zimmer mit etwa 15 weiteren Pilgern. 

Freitag, 12. April 2024

Wo sind die Markierungen?

Strecke heute: von ausserhalb 
Bidart bis Ciboure (St. Jean-de-Luz).
Das üppige Frühstück reichte auch heute bis weit in den Tag hinein. Beschwerden hatten und haben wir keine nennenswerte, es geht uns beiden gut.
Beschwingt starteten wir am Morgen auf die heutige 17 Km Etappe. Bald konnten wir die Jacken ausziehen. Wenige Kilometer später verstauten wir die Bluse bezw. das Hemd im Rucksack und bald darauf auch die Hosenbeine. Unsere Sonnencreme kam zum Einsatz, Frau musste den Sonnenhut montieren. Bei bis zu 24° genossen wir den Tag. Bis kurz vor dem Zentrum von Bidart folgten wir den gut sichtbar angebrachten Muschelmarkierungen. Bei der Kapelle St. Madeleine war eine grosse Baustelle und dadurch unser gewünschter Weg nicht mehr zugänglich. Wir wurden durch den Ort umgeleitet und danach auf eine Wegvariante durch das Hinterland geschickt. Einige Kilometer mehr ist für Fahrradfahrer kein Problem. Martins waren nicht einverstanden. Wir wollten so viel wie möglich dem Meer entlang gehen. Einige Blicke konnten wir schon erhaschen.
Mithilfe der App suchten wir unseren eigenen Weg. Nur gab es da keine Muschelmarkierungen mehr. Wir folgten einer Fahrradroute und bekamen unterwegs auch hilfreiche Unterstützung bei Unsicherheiten. Auch heute bekamen wir 'bon courage, bonne route oder buen camino' zu hören. Dabei werden wir jeweils so angestrahlt, dass es uns das Herz erwärmt. Während einem Kaffeehalt an einer Strassenecke (die Theke befand sich in einer Garage und es hatte kaum zehn Sitzgelegenheiten entlang vom Gehsteig) konnten wir beobachten wie man richtig Crépes macht. Ich weiss jetzt, dass ich anderes Werkzeug beschaffen muss. Die Crépesplatte besitzen wir bereits. 

Wir durchquerten ein Gebiet mit etlichen Campingplätzen. Einen kannten wir von einem früheren Besuch. Dann ging es nochmal bergauf und oben wurden wir wieder mit Aussicht aufs Meer belohnt. 
Bald erreichten wir St. Jean-de-Luz, das wir von unserer ersten grossen Wanderung bereits gut kennen. Unser Plan in der Kirche den Stempel zu fassen ging schief. Die Kirche ist wegen Renovation der Orgel von morgens 8 Uhr bis abends um 17 Uhr geschlossen. Wir suchten den Weg zur Pilgerherberge um dort nach dem Stempel zu fragen. Bereitwillig erfülle die Hospitaliera unseren Wunsch. Sie hätte uns auch gerne ein Bett zugeteilt, verstand aber, dass wir noch weiter wollten.
Nach einem weiteren Kilometer standen wir vor dem Zugang zu unserem heutigen Hotel: eine steile Treppe mit vielen Stufen. Lachend stiegen wir hoch und mussten oben erst mal wieder zu Atem kommen.
Geschafft! 
Nun freuen wir uns auf das Abendessen mit Manuela und Familie (Manu, eine Ausbildungskollegin von mir, wohnt hier in der Gegend)


Donnerstag, 11. April 2024

Verirrt im Wald.

Bayonne - Bidart.
Das ausgiebige Frühstück heute morgen hat uns den Tag gerettet. 

Um neun Uhr überquerten wir die Pont Saint- Esprit über den Fluss Adour und gleich danach gings über die Nive. Ein älterer Passant nannte uns die Namen der beiden Flüsse und wünschte 'bon gourage' für unseren Weg. In der Altstadt steuerten wir die Cathédrale Sainte-Marie an um den ersten Stempel in den Pilgerpass zu erbitten. Wir unterhielten uns in einem lustigen französisch/englisch Gemisch mit dem Herrn am Stempeltisch und erhielten wertvolle Informationen zum Weg.
Bald waren wir wieder draussen und nach einem Espresso in der nahen Bar ging es los auf dem gut markierten Weg. Es ging so lange gut, bis die Markierung einer stark befahrenen Strasse folgte. Frau ist ja gut ausgerüstet, konsulierte die Jakobsweg App und beschied: wir folgen dem ' alten' Weg nach der App, da können wir noch etwas durch den Wald laufen. Bloss ein kleiner Umweg. Auch der Anstieg störte uns nicht, wir haben ja im hügeligen Baselbiet gut trainiert. Nach dem Anstieg folgten wir dem Weg aussen am Zaun vom Flughafen. Immer weiter bis wir von einem Zaun und einem abgeschlossenen Tor aufgehalten wurden. Laut App wäre es gerdeaus weiter gegangen. Wäre, aber das geht nicht mehr. 
Ein schmaler Pfad führte links in den Wald. Die Versuchung war zu gross! Wir liessen uns in den Wald locken, gerieten auf einen alten, vergammelten Bikeparcour, irrten durch Gräben, wechselten unzählige Male die Richtung um irgendwann festzustellen: das geht nicht, wir müssen zurück. Nach mehreren Versuchen fanden wir die Einstiegstelle und somit für uns den Ausgang aus diesem Irrwald. Tja, an der stark befahrenen Strasse wars nicht so toll, aber in dem Wald wars auch nicht prickelnd. Dieser 'Umweg' hat uns eine zusätzliche Stunde Zeit gekostet. Etwa um 13.30 Uhr waren wir wieder auf Kurs. Frau konnte immer noch marschieren und die Laune war auch nicht im Keller dank dem gutem Frühstück. Nach etwa zwei Kilometern konnten wir (offiziell) auf Nebenstrassen ausweichen. Die Hoffnung auf einen Rastplatz am kleinen Lac de Mouriscot wurde nicht erfüllt, an unserem Weg gab es nicht mal eine Ruhebank. Der See war an unserer Route nicht zugänglich. Alles privat Areal. Schliesslich setzten wir uns zum essen auf grosse Steine. 
Bald nach dieser Pause erreichten wir unser Tagesziel. Zur Belohnung gönnten wir uns ein lokales Bier.

Mittwoch, 10. April 2024

WB, IR, TGV Lyria, TGV inoui, Ter


Heute war der Tag der Abkürzungen. Aber nur bei den Zugbezeichnungen. Die Fahrt verlief problemlos. Auch der Bahnhofwechsel in Paris vom Gare de Lion zum Gare Montparnasse bewältigten wir mit einem guten Wandertempo. Es war eine Wohltat, nach den Stunden im Zug, durch Paris zu marschieren. Die Strecke bis Dax im TGV inoui kam mir, trotz dem vorhergehenden Marsch,  lang vor. Im Bummelzug bis Bayonne war es dann wieder gemütlich. 
Nun haben wir in einem argentinischen Restaurant gegessen und können ohne knurrgeräusche vom Magen ruhig schlafen. 


Dienstag, 9. April 2024

Nichts mehr zu essen!

Im Kühlschrank liegt nur noch ein Stück Käse und in der Früchteschale gammeln noch zwei Äpfel. Der Zopf vom Sonntag ist beinahe aufgefuttert und alle verderblichen Lebensmittel sind aufgebraucht. Ziel erreicht! Jetzt bloss keine Hungerattacken mehr!

Mein Rucksack steht vor dem Ausgang, die Muschel ist montiert, die Wanderstöcke sind festgebunden, die Schuhe wurden geputzt und frisch imprägniert und die Regenjacke liegt auch bereit. Bald gehts los. Nur noch ein Mal schlafen!