Montag, 8. August 2016

08.08.16, Trans Swiss Trail 2, 21. Etappe

Erstfeld – Wassen.
Die Sonne übergoss die Berggipfel heute morgen mit goldenem Licht. Perfektes Wanderwetter! Voller Vorfreude auf die kommenden Etappen strebten wir dem Bahnhof zu. Die Matterhorn Gotthard Bahn brachte uns nach Göschenen und bis Erstfeld reisten wir im Interregio der SBB.
Unterwegs hatten wir mehrmals Aussicht auf unsere Wanderstrecke.
Bald nach dem Start mussten wir eine Tenue Erleichterung vornehmen. Tausend Meter Höhenunterschied spürt man auch in der Temperatur.
Auf den ersten Kilometern, bis Amsteg, glich das Terrain einem gemütlichen Spazierweg. Das Rauschen der Reuss übertönte das Rauschen von der Autobahn. Um halb zwölf waren wir bereits in Amsteg. Der Weg führte direkt zu einer Bäckerei mit Kaffee. Obligater Zwischenhalt bei den Tischen vor dem Haus. Ich ging in den Laden um die Bestellung aufzugeben und stellte fest: die Verkäuferin ist ganz alleine und soll im Laden bedienen und zugleich die Kaffeegäste bewirten. Das mag gehen wenn nicht viel los ist, aber in dem Moment hätte es zwei Personen gebraucht. Als ich meine Bestellung aufgeben konnte, nahm ich der Dame das Tablett ab und sagte: ich kann das selber mit nach draussen nehmen, sie könne drinnen weiter machen. Sie war sehr froh darüber. Später brachte ich das benutzte Geschirr zurück, wollte unsere Konsumation bezahlen und noch zwei Urner-Müesliriegel dazu kaufen. Sie packte drei Riegel in die Tüte, strahlte mich an und sagte: "sie haben mir vorhin wirklich geholfen, dafür schenke ich ihnen einen Riegel. Ich wünsche ihnen einen schönen Tag und eine gute Wanderung."
Die Rast hatte uns gut getan, ab da brauchten wir Energie für die Bergetappe. Mit jedem Schritt gewannen wir Höhe und bald konnten wir auf Amsteg hinunter blicken. Da der Trans Swiss Trail hier mit der Via Gottardo verläuft, ist der Weg gut gepflegt und Informationstafeln bieten Erklärungen zu Brücken, Bahnstrecke, Industrie und Berge. Auf engem Raum gibt es viel zu sehen. Nach viel bergauf dann der steile Treppenabstieg zur Hängebrücke beim Fellitobel. In luftiger Höhe überquerten wir die wilde Reuss, über uns die Autobahn unter uns das eisige Wasser.
Viele unterschiedliche Brücken überquerten wir heute und alle zeugten von der Baukunst ihrer Zeitepoche.
Am späten Nachmittag tauchte endlich im Dunst das bekannte Wahrzeichen von Wassen auf.
Bis wir aber das Dorf erreichten verstrichen weitere 40 Minuten. Wir hielten Ausschau nach der Bushaltestelle und sahen gerade noch einen Bus wegfahren. Das wäre der Richtige gewesen!
Wie verbringt man eine Stunde Wartezeit? Richtig, man geht Kaffee trinken. Mitten im Dorf stand eine Werbetafel die auf Martini's Grotto und Terrasse aufmerksam machte. Martin's bogen ab in diese Gasse und traten durch einen Pflanzenbogen in eine andere Welt. So empfand ich die Terrasse dieses Grottos. Auf so ein liebevoll gestaltetes Restaurant trifft man nicht alle Tage. In gemütlicher Ambiance sitzt man zwischen Planzen und Brünnlein und hört den Verkehrslärm kaum. Die Wartezeit verstrich rasch, bald mussten wir zur Bushaltestelle zurück.
Der Bus hatte zehn Minuten Verspätung. Wir machten uns keine Sorgen wegen dem Anschluss auf den Zug. Wenn es auf diesen nicht Reicht, dann eben auf den Nächsten. Der Buschauffeur setzte alles daran, dass es reichte. Um 18:13 fuhren wir auf den Bahnhofsplatz von Göschenen um 18:14 fuhr der Zug. Raus aus dem Bus, rein in den Zug. Es hat gereicht.
Als wir in Andermatt den Zug verliessen, wurden wir von einem älteren Ehepaar angesprochen. Die beiden wollten wissen wann wir auf dem Jakobsweg gewesen sind. Sie seien im Laufe von 22 Jahren von der eigenen Haustür bis nach Santiago und wieder zurück gepilgert. Jedes Jahr ein Stück. Danach seien sie für zwei Wochen als Hospitalieros nach Burgos gegangen. Sie haben extra Spanisch gelernt dafür. Mit strahlenden Augen sagte die Frau: das sei wunderschön gewesen und so grossartige Erinnerungen.

Sonntag, 7. August 2016

07.08.16, Trans Swiss Trail 2, 20. Etappe

Seelisberg – Erstfeld (erster Teil, bis Flüelen)
Gestern hatten wir einen wander- und blogfreien Tag und Besuch von daheim. Das hat gut getan!
Heute morgen stellten wir unser Wohnmobil in Brunnen auf einen grossen Parkplatz, fuhren mit dem Schiff über den See nach Treib und mit der Standseilbahn hoch nach Seelisberg. Hier konnten wir die Fährte vom Donnerstag aufnehmen und das fehlende Teilstück erwandern. Sonntag, Sonnenschein, Ferienzeit und Touristenorte. Dem entsprechend waren viele Ausflügler unterwegs. Unser heutiger Abschnitt deckte sich meist mit einem Teilstück vom 'Weg der Schweiz'.
Die Aussicht von Seelisberg auf den See und das Rütli, der stotzige, jedoch gut gebaute Wanderpfad hinunter nach Bauen und die Kilometer dem Ufer entlang, alles war heute zum geniessen. Auf dem See tummelten sich Segelschiffe und Windsurfer, auf den Badewiesen lagen Sonnengeniesser und die Kinder plantschten im Wasser.
Bei Seedorf verliessen wir die Route Nr. 2, marschierten weiter auf dem 'Weg der Schweiz' bis wir den Bahnhof Flüelen erreichten. Von dort ging es mit dem Zug zurück nach Brunnen.
Wir lösten unser Auto aus und fuhren Richtung Gotthard. Ein Stunde später parkten wir auf dem Campingplatz in Andermatt. Die nächsten Etappen organisieren wir von hier aus.

Freitag, 5. August 2016

05.08.16, Trans Swiss Trail 2, 20. Etappe

Seelisberg – Erstfeld, zweiter Teil. (Erster Teil folgt übermorgen)
Der Regen brachte Abkühlung, guter Schlaf und einen gemütlichen Vormittag. Erst um zwölf Uhr schnallten wir uns die Rucksäcke auf den Rücken und marschierten zum Bahnhof. Wir wollten mit dem Zug nach Erstfeld und den zweiten Teil dieser langen Etappe retour wandern. Das Höhenprofil zeigte kaum Steigungen und Gefälle, so konnten wir das auch bei nassen Verhältnissen gut bewältigen. Der Regen hatte aufgehört, wir hofften auf einen trockenen Nachmittag.
Beim Bahnhof in Erstfeld fanden wir sofort den Einstieg auf den Trans Swiss Trail, querten die Bahn durch die Unterführung und die Reuss über eine Brücke.
Auf der anderen Uferseite verlief der Wanderweg auf dem Damm entlang des reissenden Flusses. Ausserhalb der Ortschaft setzten wir uns auf eine Bank und verzehrten unseren späten Mittagslunch. Von der entgegengesetzten Richtung näherte sich ein sehr betagter Spaziergänger. Wir rückten zusammen, damit er auch noch Platz hatte. Im Gespräch erfuhren wir, dass er bereits 84 Jahre alt ist. Er habe bei der Bahn gearbeitet. Ursprünglich wollte er Automechaniker lernen, er habe bereits eine Lehrstelle gehabt. Aber der Vater sei dagegen gewesen! Er solle zuerst einmal Geld verdienen! Da sei er halt zuerst als Knecht auf die Alp. Gerne wäre er an die Chilbi, aber im ersten Jahr habe er sich nicht getraut. Im zweiten Jahr sei er dann mit 5 Franken und 20 Rappen im Sack an die Chilbi gegangen. Er habe sich gesagt: das reicht schon, essen muss ich ja nicht. Ja, das was die anderen auf dem Teller gehabt haben, das hätte ihn schon gelüstet .... so ein richtiges gutes Essen. Aber die Musik und der Tanz habe ihn abgelenkt. Das sei sehr schön gewesen. Nach dieser Zeit sei er zur SBB gegangen. Die haben ihn auch als 'Ungelernter' genommen.
Dann bemerkte er Heiner's Mütze mit dem Wappen und Schriftzug von Frenkendorf. Nachdenklich sagte er: Frenkendorf, Frenkendorf, warum haben sie eine Mütze von Frenkendorf? Er habe in seiner Anfangszeit bei der Bahn fünf Jahre in Frenkendorf gearbeitet.

Auf unserer Weiterwanderung hatten wir über die Erzählungen des alten Eisenbahners zu diskutieren. Der Weg stieg leicht bergan, links vom Pfad ein steiler von Felsen durchzogener Hang, rechts weiter unten die rauschende Reuss. Plötzlich gelangten wir zu einem Tunnel und überall auf den Felsvorsprüngen und in den Nischen standen, lagen, knieten Porzellan- und Tonengel in allen Grössen uns Variationen.
Um den Felsentunnel zu durchqueren konnte man Licht machen, mitten im Tunnel das Schild 'Axenstrasse en miniature'. Auf der anderen Seite dann die Tafel: Engelsweg.
Wieder am Ufer der Reuss entschieden wir uns ins Zentrum von Altdorf zu gehen und dort einen Kaffeehalt zu machen. Danach wollten wir mit Bus und Zug zurück nach Brunnen.
Ein Ausbildungskollege von mir hat in Altdorf seine Praxis. Ich wollte nicht hier im Ort eine Pause machen, ohne ihm einen Gruss per SMS zu hinterlassen. Und siehe da, manchmal passt einfach alles zusammen: er hatte Ferien, war in der Nähe, hatte Zeit. Die Überraschung war perfekt und die Freude beiderseits. Nach diesem Treffen brachte uns ein Bus nach Flüelen und mit dem Interregio erreichten wir Brunnen in kurzer Zeit.

04.08.16, Trans Swiss Trail 2, 19. Etappe

(Stans-) Beckenried – Seelisberg.
Die Vorgeschlagene Etappe von 21 Kilometer mit einer Steigung von 925 Meter und Gefälle von 580 Metern war uns für den heutigen Tag zu viel. Gegen Abend waren heftige Gewitter mit Sturmböen vorausgesagt und wir wollten noch unser Wohnmobil umplatzieren. Wir entschieden uns, 'nur' die zweite, interessante Hälfte der Etappe zu wandern.
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von der Gastgeberfamilie und fuhren nach Beckenried. Unser Wohnmobil konnten wir auf dem grossen Parkplatz der Klewenalp-Bahn stehen lassen. Innert wenigen Minuten waren wir am See und somit auf der Etappe 19 des Trails.
Auf Asphalt marschierten wir etwa vier Kilometer, linker Hand der See, rechter Hand die Autobahn in Sicht- und Hörnähe.
Schliesslich verschwand die Autobahn im Tunnel und der Wanderweg wurde wirklich zum Wanderweg. Schon hörten wir in der Ferne das Rauschen aus der Risletenschlucht. Mit jedem unserer Vorwärtsschritte toste und rauschte das Wasser lauter. Es galt die ersten Treppenstufen zu erklimmen, wie viele noch folgten ahnten wir nicht, und dann standen wir beim Wasserfall. Der Blick hinunter in die eben passierte Bucht und dann zum Wasserfall waren schwindelerregend und schön zugleich.
Wir verständigten uns laut rufend, die Geräusche des Wassers machten eine normale Verständigung unmöglich. Angenehme Kühle erfrischte unsere vom Wandern erhitzten Körper. Nach ausgiebigem Fotografieren stiegen wir weiter die Schlucht hinauf. Der erste Pilger der unseren Weg auf diesem steilen Treppenpfad kreuzte trug einen hoch beladenen Rucksack. Er sei von Tschechien und wolle bis nach Santiago. Wir kraxelten weiter aufwärts, Tritt um Tritt. Da kamen nochmals zwei mit grossen Rucksäcken. Sie seien aus Bayern erzählte die Frau. Ich meinte, da seien sie solches Gelände gewohnt. Irrtum, antwortete der junge Mann, sie seien ganz aus dem Norden von Bayern, da sei das Gelände flach.
Unser Aufstieg dauerte und dauerte, anstrengend, jedoch mit vielen schönen, imposanten Ausblicken.
Wir erreichten einen Höhenpfad der sich an die Felsen anschmiegte. Zwischen den Bäumen schimmerte der grünblaue See, Segelschiffchen schaukelten auf dem Wasser, ein friedlicher Anblick. An einer geeigneten Stelle machten wir Mittagshalt und genossen die Aussicht.
Der romantische und angenehme Panoramaweg endet abrupt auf einer Asphaltstrasse die ursprünglich zur Autobahn hätte führen sollen. Wegen Bauproblemen blieb diese aber unvollendet. Gedacht war sie zur besseren Erschliessung von Seelisberg.
Die restlichen Kilometer bis ins Dorf mussten wir auf dieser Strasse, an der nun sehr einheizenden Sonne marschieren. Allein die Vorfreude auf einen grossen Eisbecher liess uns durchhalten.
Es hätte uns gut auf den eben vorfahrenden Bus gereicht, die Pause mit Glace war wichtiger.
Eine Stunde später stiegen wir in das Postauto das über Emmetten nach Beckenried fuhr. Bei der Post in Emmetten warteten sehr viele Ausflügler, die das schöne Wetter genutzt hatten, auf den Bus. Dicht gedrängt sassen und standen die Fahrgäste bis Beckenried. Erleichtert verliessen wir mitten im Ort diese 'Sardinenbüchse' und strebten unserem Camper zu.
Ursprünglich wollten wir auf diesem Parkplatz nächtigen. Wegen den angesagten heftigen Gewittern mit starken Winden wollte Heiner lieber auf einen Campingplatz. Wir fuhren nach Altdorf. Der dortige Platz war voll belegt. Der Platzwart empfahl uns nach Brunnen zu fahren, dort sei immer etwas frei.
Tatsächlich konnten wir uns in Brunnen auf der Wiese am See einen Platz aussuchen, während dem langsam herannahenden Gewitter installieren und sogar noch vorne am See ein Bier trinken bevor wir in unser Häuschen flüchten mussten.

Mittwoch, 3. August 2016

03.08.16, Trans Swiss Trail 2, 18. Etappe

Flüeli-Ranft – Stans.
Diese Etappe absolvierten wir in zwei Abschnitten. Am Morgen starteten wir vor unserer 'Haustür'. Bis zum Einstieg auf den Weg Nr. 2 (und die Via Jakobi) lag nur etwa ein Kilometer vor uns. Die vorgegebene Richtung stimmte heute, also marschierten wir den Jakobspilgern entgegen. Bald schon begegneten uns die ersten zwei. Neugierig fragten wir nach dem woher und wohin. Sie kämen aus der Region Zürich, frisch pensioniert, haben die letzten zwei Wochenenden 'trainiert' und seien seit gestern offiziell als Pilger unterwegs bis nach Santiago. Sie fanden es interessant, dass sie bereits am zweiten Tag Leute treffen, die genau das geschafft haben. Das mache Mut und stimme zuversichtlich. Wir wünschten 'Buen Camino' und setzten unseren Weg fort. Der nächste Pilger war ein Mann aus Warschau der jedes Jahr ein Teilstück pilgert. Jetzt sei er in der Schweiz, er habe nicht gewusst, dass das so ein schönes Land sei. Auch ihm wünschten wir 'Buen Camino'.
Einige Kilometer später begegnete uns ein junger Pilger. Er macht auch immer ein Teilstück und will in diesen Ferien bis Lausanne pilgern. Er hatte es eilig und keine Zeit für ein kleines Gespräch.
Eine Stunde später bestiegen wir in Stans den Zug nach Hergiswil. Dort wechselten wir auf die S5 nach Sachseln und ab dort fuhren wir mit dem Bus nach Flüeli-Ranft. Zur selben Zeit wie gestern stiegen wir an der Haltestelle Dorf aus dem Bus.

Den Weg zur Ranftschlucht mit den Kapellen mussten wir nicht suchen. Da war ein bequemer, rampenartiger Abstieg, den man mit Rollstuhl, Kinderwagen oder was auch immer bewältigen kann. In der oberen Ranftkapelle mit der Klause daneben verweilten wir nicht lange. Im Haus daneben ist ein Shop eingerichtet wo man allerlei kaufen könnte (wo Pilger und Touristen hin kommen boomt das Geschäft). In der unteren Kapelle wurde eine Pilgermesse abgehalten. Rucksäcke, Stöcke und Hüte waren draussen deponiert.
Wir blieben kurz beim offenen Eingang stehen und hörten dem Gesang zu. Heiner wurde von einem älteren Mann angesprochen, weil auf seinem Rucksack das Stickbild von der Muschel und der Schriftzug Santiago prangte. Er wollte wissen, ob wir denn schon in Santiago gewesen seien. Er sei vor zwölf Jahren mit dem Fahrrad in dreissig Tagen von der Schweiz bis nach Santiago geradelt.
Für unseren Mittagslunch verzogen wir uns etwas neben die Route. Ein bisschen Ruhe war nun nötig.
Nach dem Picknick begann ein steiler Aufstieg auf der anderen Seite der Schlucht. Einen Moment beobachteten wir einen Bauern wie er mit seiner Maschine am steilen Hang am heuen war.
Die zehn Kilometer bis zu unserem Standplatz verliefen meist an der heute warm scheinenden Sonne. Wir nutzen fast jede Gelegenheit im Schatten zum verschnaufen und etwas Wasser zu trinken. Kurz vor fünf Uhr waren wir zurück bei unserem Wohnmobil.

02.08.16, Trans Swiss Trail 2, 17. Etappe

Giswil – Flüeli-Ranft.
Heute mussten wir unsere fahrende Wohnung verschieben. Angemeldet hatten wir uns auf einem Bauernhof mit Campingmöglichkeit in St. Jakob / Ennetmoos.
Für die Wanderetappe stellten wir das Fahrzeug in Giswil beim Bahnhof auf den Parkplatz. Bei der Touristinfo erkundigten wir uns, wie die Fahrzeiten nach, bezw. von Flüeli-Ranft sind. Wir konnten in Kürze mit Zug und Bus nach Flüeli-Ranft gelangen. Für heute ist es also besser die Etappe umgekehrt zu marschieren.
Punkt zwölf Uhr stiegen wir im Dorfzentrum aus dem Bus. Das Hotel Pax-montana, das neben dem ehemaligen Wohnhaus von Niklaus von Flüe steht, überragt und dominiert das Dorf. Besucher, Gäste, Pilger und 'normale' Wanderer trifft man hier überall. Der Besuch in der Ranftkapelle steht morgen am Wegrand, heute drehten wir dem Rummel um Bruder Klaus den Rücken zu und marschierten Richtung Sachseln und Giswil. Bevor wir das Dorf verliessen besichtigten wir die renovierte und herausgeputzte Kirche. Die Intarsienbilder und die Holzdecke brachten uns zum staunen, das ist wirklich sehenswert. Noch voll von den Eindrücken suchten wir den Einstieg in den Trans Swiss Trail. Wir wussten noch nicht, dass unser Weg, der mit Nr. 2 markiert ist, hier mit der Nr. 4 (Via Jakobi) zusammen verläuft. So verpassten wir wieder einmal eine Abzweigung, weil nur die Nr. 4 angegeben war. Etwas weiter hinten merkten wir, dass da etwas nicht ganz stimmt. Der Pilger in Heiner ist immer noch vorhanden .... ein Pilger läuft nur im äussersten Notfall zurück. Munter marschierten wir weiter geradeaus und fanden bald einen Pfad, der uns auf die richtige Route zurückführte. Nun hatten wir es begriffen, wo die vier verläuft, ist auch die zwei.
Eine schöne Wegpassage führte durch Wald und Wiesen und gewährte uns immer wieder Ausblicke auf den Sarnersee. Der steile Abstieg nach Sachseln erinnerte uns an die gestrige Strapaze beim Wasserfall. Da bahnte sich doch tatsächlich nach so mancher Wanderetappe noch ein ausgewachsener Muskelkater an! Gut gibt es auch heute muskelfordernde Passagen, so kann sich gar nichts festsetzen.
In Sachseln bewunderten wir das Holzportal der Kirche und ein schönes Fachwerkhaus.
Die Gelegenheit zum 'Zvierihalt' in einem Kaffee nutzten wir umgehend, schliesslich lagen noch gut sechs Kilometer vor uns.
Dem See entlang teilten wir uns den Weg mit vielen Radfahrern. So flache Radwege sind sehr beliebt.
Bis Giswil zog sich der Weg in die Länge und wir waren froh, als endlich unser Camper in Sicht kam.
Wir freuten uns aufs Nachtessen, Füsse hochlegen, ausruhen.
Die Fahrt zum Bauernhof Ebnet gestaltete sich auf dem letzten Teilstück spannend. Das Strässchen eng und unübersichtlich, ging meist durch den Wald. Ich hoffte auf keine entgegenkommenden Fahrzeuge. Ein Lastwagen kreuzte uns präzise bei einer Ausweichstellen, sonst hatten wir Glück.
Dann kamen wir aus dem Wald und hatten genau vor uns die Zufahrt zum Hof Ebnet.
Die Bäuerin erklärte uns: die Zufahrt sei tatsächlich einfacher durch den Wald. Das Strässchen von St. Jakob her habe eine sehr enge Kurve, wo schon mancher hängen geblieben sei.
Nun konnten wir uns einrichten, essen und uns an den langen Tagebucheintrag vom Vortag machen.

Dienstag, 2. August 2016

01.08.16, Trans Swiss Trail 2, 16. Etappe

Sörenberg – Giswil.
Der Zeitaufwand für die heutige Etappe erschien uns etwas zu viel. Wir kürzten ab und nahmen das Postauto bis zum Parkplatz Glaubenbielen. Ab da sind es immer noch happige 11 Kilometer mit einer Höhendifferenz von 'nur noch' etwa 200 Meter nach oben und 1230 abwärts.
Das Wetter war kühl, es hatte noch einige Wolken am Himmel und Nebelschwaden an den Gipfeln.
Das Brienzer Rothorn sahen wir nur unvollständig. Trotzdem konnten wir den restlichen Aufstieg und die Wanderung zur Alpoglen geniessen. Die Pflanzenvielfalt begeisterte uns und immer wieder musste ich den Fotoapparat hervor nehmen.
Als wir den höchsten Punkt unser heutigen Tour erreichten sahen wir weit unten den Sarnersee und beinahe unser Tagesziel. Was für Mühen uns erwarteten wussten wir da noch nicht. Vorerst ging es über eine Alpweide wo die Markierungspfosten meist irgendwo im Gras lagen. Mit Sperberaugen schafften wir es trotzdem den Weg einigermassen zu finden und schliesslich standen wir vor einem Wegweiser. Bloss standen wir auf der anderen Seite des Zauns. Der Wegweiser zeigte eindeutig in unsere Richtung und auf der gegenüberliegenden Seite auf den Fahrweg. Der Zaun bot den Wanderern keinen Durchgang, im Gegenteil: es war verbarrikadiert, zugenagelt, mit Stacheldraht abgesperrt. Da ist wohl einer dagegen, dass hier ein offizieller Wanderweg durch geht. Mit klettern, steigen, hüpfen überwanden wir das Hindernis und marschierten weiter bis zum Elektrozaun. Auch hier: kein Durchlass für Wanderer. Mit einem Stock drückten wir die Zaunlitze so tief, dass man darüber steigen konnte. Ich muss wohl nicht speziell erwähnen, dass der Verursacher nicht die nettesten Bezeichnungen bekam.

Während der Mittagsrast erspähten wir am gegenüberliegenden Hang Gamswild bei der Futtersuche. Dieses Erlebnis steigerte die Laune sofort wieder in den grünen Bereich.
Weiter ging die Wanderung durch Wald und Bach. Richtig gelesen: durch einen Wildbach und das sechs Mal auf relativ kurzer Distanz. Von links nach rechts, von rechts nach links, von links nach rechts. Der Bach wurde immer breiter. Beim zweitletzten Übergang mussten wir über einen Baumstamm balancieren und etwas weiter unten waren zwei Stämme nebeneinander gelegt, so dass eine komfortable Überquerung möglich war.
Als wir glaubten bald den Abstieg geschafft zu haben, ging die Route auf eine neue Streckenführung! Es ging nochmal hinauf, hinauf, hinauf. Und dann auf den Abstieg zum Steibi Wasserfall! Links vom Pfad ging es senkrecht hinunter und rechts beinahe senkrecht. Auf dem schmalen Grat verlief der Weg über hohe Stufen in die Tiefe.
Der Regen vom Vortag machte das Ganze noch spannender. Dieser Abschnitt erforderte höchste Konzentration. Ich durfte weder links noch rechts schauen, sonst bekam ich sogleich gehörig Muffensausen! Die Stufen sind für einen Riesen bemessen, ich mit meinen 1.60 musste hüpfen. Wir schimpften beide bis wir den Wasserfall sahen. Der war wirklich eindrücklich. Das war der Grund für die neue Streckenführung!
Ab da war die Route wieder völlig akzeptabel.

Glücklich, dass wir in Giswil noch das Postauto erwischten das über den Glaubenbühlen Pass fährt, lehnten wir uns in die Sitze. Dieser Kurs verkehrt nur während den Sommermonaten drei Mal am Tag. Diese Fahrt ist ein Erlebnis! Die Strasse so schmal, dass man nur an den Ausweichstellen kreuzen kann. Lastwagen müssen sich an bestimmte Fahrzeiten halten.
Vor den grösseren Kurven liess der Chauffeur das typische Posthorn ertönen. Tü-ta-to hörte man bestimmt weit voraus. Plötzlich fragte der Chauffeur über Mikrofon: ihr beiden da hinten, seid ihr da schon mal durch? Laut verneinten wir. Ja gut, da wolle er doch mal anhalten und uns erklären was man so sieht. Er stellte den Bus in eine Ausweichbucht und kam zu uns. Dann erklärte er uns die umliegenden Gipfel und Höhenzüge. Ich konnte mich kaum erholen! Gibt es denn so was? Ein Postautochauffeur der den Fahrgästen die Berge und Aussichten benennt?! Auf der Weiterfahrt wies er uns auf den alten Grenzstein, der die Grenze zwischen Obwalden und Luzern markiert, hin.
Allzubald waren wir wieder in Sörenberg, wo wir auf den Bus nach Flüehli umsteigen mussten.

Zur Feier des Tages gab es ganz gemütlich vor unserem Camper Raclette für zwei.
Das war ein Erlebnisreicher Tag.