Donnerstag, 4. Januar 2018

04.01.18, São Miguel

Donnerstag. Wir machen eine Wanderung zur sechs Kilometer entfernten Mündung der Seixe. Der Himmel ist bedeckt, eine graue Suppe verhindert gute Sicht und ein ganz feiner Sprühregen beschlägt meine Brillengläser. Es tut gut zügig zu schreiten auch wenn der Wind hin und wieder am Schirm zerrt. Bei den blühenden Eukalyptusbäumen machen wir natürlich nicht nur tiefe Atemzüge sondern auch noch gleich ein Foto.
Auf den Klippen bewundern wir zuerst die Aussicht, dann halten wir Ausschau nach einer geschützten Stelle für unser Pick-nick und entscheiden schliesslich unser Futter im Rucksack zu lassen und in ein Restaurant zu gehen. Ich weiss auch schon, was ich essen will: Fleisch und Kartoffeln nach Alentejoart. Wir befinden uns im Grenzgebiet von Alentejo und Algarve, somit habe ich nochmal Gelegenheit die lokale Spezialität zu geniessen.
Die Bar neben diesem hübschen Wandbild ist leider geschlossen.

Auf dem Rückweg können wir den Schirm verstauen. Ausserhalb der Ortschaft Odeceixe verläuft die Strasse in der Ebene des Flusstales, beinahe so gewunden wie der Fluss. Uns kommen zwei Wanderer entgegen. Ebenso hört man ein Auto aus unserer Gegenrichtung. Der folgende Ablauf geschieht so schnell, dass uns der Mund vor Schreck offen bleibt. Das Auto kommt mit einigem Tempo um die Kurve, gerät auf der nassen Fahrbahn ins schleudern, rutscht mit dem Heck gegen die beiden Wanderer, schlittert seitwärts über die Strasse und bleibt schliesslich mit abgewürgtem Motor kurz vor dem Strassengraben stehen. Da sind gleich mehrere Schutzengel unterwegs gewesen: einerseits um das junge Paar am Strassenrand zu beschützen und andererseits mit aller Kraft den jungen Autofahrer vor dem Strassengraben zu stoppen. Phuuu, Adrenalin hoch drei!Sobald es möglich ist, weichen wir wieder auf einen Feldweg aus. Die paar Meter mehr können wir verkraften.
Mit müden Beinen erreichen wir den Campingplatz nach insgesamt 14 Kilometern.
Heute gibt es Rotkraut mit Speck und Kartoffeln.

Mittwoch, 3. Januar 2018

03.01.18, Evoramonte – São Miguel, Odeceixe

Mittwoch. Bereits nach 14 Kilometern machen wir einen längeren Halt. Es wurde uns empfohlen in Azaruja eine Kork-Fabrik zu besichtigen. Wir parken unser Fahrzeug am Strassenrand und betreten etwas zögernd das Firmengelände. Angeschrieben ist ausser dem Namen nichts. Wir machen einige Fotos vom gestapelten Kork und nähern uns langsam dem Gebäude.
Eine ältere Frau kommt auf uns zu und schaut uns fragend an. Ich erkundige mich, ob sie englisch spricht. Nein, aber ihr Sohn, der sich gerade mit einem jungen Mann unterhält. Wir dürfen an einer kleinen, sehr interessanten Führung durch den Betrieb teilnehmen. Das junge Paar, das dabei ist, kommt aus dem Kanton Solothurn. Sie sind Wiederverkäufer und sind auf der Suche nach neuen Artikeln.
Wir hören, dass die jungen Korkeichen im Alter von etwa 25 Jahren zum ersten mal abgeerntet werden. Der Baum vor der Fabrikhalle ist erst 85 Jahre alt. Alle 9 Jahre wird in den Monaten Mai, Juni und Juli geschält.
Es gibt durch verschiedene Faktoren unterschiedliche Qualitäten und unterschiedliche Dicken. Bevor die krumme Rinde gerade gepresst werden kann, kommt sie eine Stunde in ein heisses Wasserbad. Danach wird nach Qualität sortiert.
Es ist faszinierend zu hören und zu sehen, was alles aus Kork entstehen kann: nebst dem bei uns bekannten Bodenbelag, den Untersetzern für heisse Pfannen und den Korkzapfen gibt es Taschen, Rücksäcke, Bekleidungsstücke, Gürtel, Schuhe, Schmuck, Hüte, Möbel, Isolierbehälter für Speisen oder Getränke, Dekoartikel, Geldbörsen, Hüllen für elektronische Geräte und etliches mehr.
Mit dem Kopf voller Informationen, den Fotos in der Kamera, den Einkäufen in der Tasche und einem leichteren Geldbeutel verlassen wir Azaruja.

Wir fahren an Evora vorbei Richtung Alvito, Odivelas, bis Aljustrel auf der N2, danach wechseln wir auf die N263 nach Odemira. Unser Ziel, der Campingplatz São Miguel, liegt etwa 20 Kilometer südlich von Odemira.
Wir werden freundlich empfangen und dürfen uns einen Platz aussuchen. Ausser uns hat es keine Gäste hier. Das Meer ist zu weit weg (6 Km), das Restaurant und der Minimarket ist geschlossen, das Dorf 1 Km entfernt, es ist nix los, das ist den Leuten zu mühsam. Uns stört es nicht.

Ich grabe im Kühlschrank und kreiere einen Eintopf zum Znacht.
Deklaration: 1 Zwiebel, etwas frischen Ingwer, Kurkuma, Kardamom, Curry, Reis, rote Linsen, Karotten, Lauch, Kohl, Speckwürfeli.

Dienstag, 2. Januar 2018

02.01.18, Evoramonte

Dienstag. Haushalttag.
Morgen wollen wir weiter fahren.

Unser heutiges Nachtessen:
Pasta, Hackfleisch mit in Streifen geschnittenen getrockneten Tomaten an Tomatensauce und Lauchstreifen mit einem Klecks Rahm.

Montag, 1. Januar 2018

01.01.18, Evoramonte

Montag. Willkommen im 'Vorwaertsschritte'-Blog im Jahr 2018. Wir wünschen euch allen ein spannendes Jahr, gute Gesundheit, Glück und Momente der Ruhe um neue Kraft zu schöpfen.

Den Jahresausklang hatten wir am Campinglagerfeuer vorne beim Empfang und gemeinsam mit den vielen Holländern und zwei Engländern begrüssten wir das neue Jahr.
Heute Vormittag gab es vor der Reception einen Neujahrsapero und danach Fototermin auf der Treppe am Eingang.
Nach dem Foto verlassen wir die lustige Gesellschaft, packen unseren Rucksack und gehen auf die geplante Neujahrswanderung.
Auf dem Dorfplatz in Evoramonte glühen noch die Reste vom Silvesterfeuer. Einige Männer hocken daneben, stochern in der Glut und braten Würste.
Auf dem Hügel über Evoramonte thront eine Burg, die ist unser Ziel. Auch heute gibt es, mangels Alternativen, einen Fussmarsch auf der N 18 bis zum Dorf. Danach der Aufstieg zur Burg.
Wir geniessen die Aussicht, machen Fotos, suchen Geocaches, essen an einer windgeschützten Stelle unseren Lunch und machen uns bei mittlerweile starken Bewölkung auf den Heimweg. Nach insgesamt zwölf Kilometern sind wir wieder zurück in unserer fahrbaren Behausung.
Heute gibt es zum Abendessen einen Kohl-Hackfleisch-Kartoffelgratin.

Sonntag, 31. Dezember 2017

31.12.17, Evoramonte

Sonntag. Das Wetter ist durchzogen, es weht ein kühler Wind. Solange es trocken ist, wollen wir eine Runde laufen. Wir marschieren los, müssen aber bald einsehen, dass das mit der Runde nicht geht. Links und rechts der Strasse ist alles eingezäunt. Wanderwege gibt es nicht und die Abzweiger von der N 18 sind Privatstrassen und führen zu Farmen. Die Eingangstore sind meist beeindruckend und gut gepflegt.
Unser Ziel: der alte Bahnhof von Evoramonte liegt allein mitten in der Pampa. Die Ortschaft ist nochmal etwa vier Kilometer entfernt. Die Bahnlinie existiert nicht mehr, die Geleise sind auf weiter Strecke entfernt, man wollte eine Fahrradstrecke daraus machen. Nun ist aber leider bereits das Geld ausgegangen.
Der Wind ist stärker geworden und treibt dunkle Regenwolken über den Himmel. Schnell suchen wir die Geocachedose und tragen uns im Logbook ein. Dann noch Fotos machen und so schnell wie möglich den Rückweg hinter uns bringen. Nach sechs Kilometer Fussmarsch sind wir wieder in unserer schützenden Behausung. Eine halbe Stunde später lassen die Wolken ihre feuchte Last fallen. Regen hat das Land dringend nötig.
Wir haben in diesem Jahr viele Schritte gemacht. Wir haben viel erlebt und gesehen, tolle Begegnungen gehabt und auch Sachen gesehen die uns nachdenklich oder traurig gemacht haben. Mit grossen Schritten verlassen wir das Jahr 2017, es war schön unsere Erlebnisse mit euch liebe Leser zu teilen. Ich hoffe ihr seid auch im nächsten Jahr dabei!
Wir wünschen euch allen von Herzen einen guten Rutsch ins 2018
eure Madeleine und Heiner

30.12.17, Evoramonte

Samstag. Der Wochenmarkt in Estremoz, der Marmorstadt, ist tatsächlich ein sehenswerter Markt. Klein, aber gute Qualität.
Nach dem Markt gehen wir durch die Gassen, steigen eine Marmortreppe hoch und gelangen zur Burg.
Wir können auf den Turm steigen, man muss bloss an der Hotelrezeption fragen. Die Aussicht von ganz oben ist beeindruckend. In der Ferne sieht man die aufgeschichteten Marmorblöcke. Am Turm und generell in der Stadt wurde viel Marmor als Baumaterial verwendet.
Um 13 Uhr werden wir wieder am Marktplatz abgeholt.

Am späteren Nachmittag findet neben der Campingrezeption eine 'Happy Hour' statt: jeder bringt seine Flasche und Gläser selber mit. Es kommt da eine recht lustige Runde zusammen: 15 Holländer, 3 Portugiesen, 2 Schweizer. Das holländische Paar neben uns ist Anfang November daheim gestartet. Es ist ihre erste Wohnmobilreise und sie sind beide über 70 Jahre alt. Sie sind in Portugal nicht sehr weit gekommen, sind hier hängen geblieben weil es ihnen gefällt. Nun haben sie sich entschieden im März nach Hause zu reisen, das Haus zu räumen und zu verkaufen. Es gefällt ihnen im Wohnmobil zu leben und zu reisen.
Neben Heiner sitzt eine ca. 40 jährige Portugiesin. Sie spricht recht gut deutsch. Sie erzählt, dass sie vor bald 20 Jahren zwei Jahre in der Schweiz, in Baden, gelebt und gearbeitet hat. Ihr Junior ist etwa 12 Jahre alt, man erkennt sofort den Fussballer. Auf meine Frage hin antwortet sie: ja, er spielt Fussball ... bei Benfica Lissabon. Sie verstehe selber aber nichts von Fussball. Ich erzähle von unserem grossen Enkel, der auch Fussball spielt. Sie will wissen woher wir kommen. Ah, aus der Region Basel. Ihr Mann darauf: FC Basel – Benfica Lissabon 5 : 0 , er verdreht die Augen und hält dann die Hände vors Gesicht. Phuu, hätte ich besser nichts von Basel gesagt? Aber er taucht grinsend wieder auf, wir sind Camper, nicht Fussballer.

Freitag, 29. Dezember 2017

25.12. -29.12.17 Lissabon - Evoramonte

Die Tage in Lissabon waren intensiv und ausgefüllt. Wir genossen Familienzeit und Enkelkinder und sogen jede Sekunde mit den Kleinen bis in den hintersten Winkel unserer Herzen.
Heute, Freitag, verlassen wir den eher lärmigen Stadtcampingplatz und fahren knapp 200 Kilometer ins Landesinnere. Dieser Platz ist klein, überblickbar und eher ruhig. Für morgen haben wir uns für die Fahrt mit dem 'Campingtaxi' zum Wochenmarkt angemeldet. Noch habe ich das Gefühl nach vier Tagen Grossstadt mag ich nicht, aber morgen sieht das bestimmt anders aus.