Sonntag, 27. März 2016

24.-27.03.16, Saintes Maries de la Mer

Der Mistral wehte am Donnerstagmorgen nicht mehr so stark wie in den vergangenen zwei Tagen. Heiner stellte die Fahrräder bereit, ich packte den Lunch in den Rucksack. Dann konnte es los gehen in den Nationalpark der Camarque. Die ersten fünf Kilometer waren noch ausserhalb dieser Zone, danach war nur noch für Fussgänger und Radfahrer ein Durchkommen. Die Uferzone ist generell Sperrgebiet und auf der anderen Seite des Weges ist Sumpf. So müssen sich alle an die Wege halten. In einigen Abständen hatte es Informationstafeln, worauf man sehen konnte welche Vögel hier zu sehen sind. Am auffallendsten sind natürlich die Flamingos.

Wir fuhren bis zum Leuchtturm. An Sonn- und Feiertagen wäre hier ein Infozentrum. Am Donnerstag war nicht mal eine Toilette offen. Man ist gezwungen zwischen die Büsche zu gehen, das viele Toilettenpapier an den mehr oder weniger geeigneten Verstecken zeugt davon. Hmmm.... Nationalpark?

Nach dem Picknick strampelten wir die 13 Kilometer gemütlich zurück. An zwei Stellen mussten wir unsere Fahrräder schieben, weil die Sandverwehungen ein Fahren unmöglich machten.
Bis wir bei unserem Häuschen waren hatte sich der Wind komplett gelegt und wir konnten in kurzen Ärmeln und Barfuss draussen sitzen.


Der Freitag begann trüb. Kein Sonnenschein lud zum draussen Frühstücken. Frau entschied endlich die Wäsche zu waschen. Die Waschküche hier auf dem Platz sieht gut aus.
Bald flatterte die Wäsche im Wind und ich hoffte, dass der Regen noch wartet bis alles trocken ist. Na ja, es reichte beinahe.

Ein Bilderbuchmorgen begrüsste uns am Samstag. Heiner deckte den Frühstückstisch draussen. Die Entscheidung was wir danach unternehmen wollen war schnell getroffen: mit den Fahrrädern etwas ins Hinterland. Eine Stunde später schwangen wir uns in den Sattel und kamen gerade bis zur Rezeption. Mein Rad hatte hinten einen Plattfuss. So ein Pech! Jetzt Rad auseinander nehmen und flicken? Nein, das nimmt zu viel Zeit weg von dem herrlichen Tag, da gehen wir lieber zu Fuss.
So gab es halt einmal mehr eine Wanderung.

Mitten am Nachmittag waren wir wieder im Städtchen. Schon von weitem hörte man einen Lautsprecher. Irgend etwas war in der Arena im Gange. Beim Näher kommen sahen wir Leute vor dem Kassenhäuschen anstehen, die Eingangstore waren offen. Unsicher, was für eine Veranstaltung heute auf dem Programm stand umrundeten wir die Arena. Einen Stierkampf wollten wir bestimmt nicht besuchen. Auf der Rückseite des Gebäudes machten sich Frauen in traditionellen Trachten bereit, Guardians standen neben den Pferden. Jetzt war der Groschen gefallen: das gibt eine Art Reiterspiele, ein Vorstellen der hiesigen Traditionen.
Rasch erstanden wir uns ein Eintrittsticket und betraten zum ersten Mal eine solche Arena. Die Plätze durfte man sich selber aussuchen.
Obwohl wir von den Erklärungen kaum ein Wort verstanden, bereuten wir es nicht, die Eintrittsgebühr bezahlt zu haben. Neben dem Vorstellen der Arbeit eines Guardian zeigten sie auch Geschicklichkeitsspiele zu Pferd.
Bei den Arbeitsvorführungen sollte ein Kalb für das Markieren vorbereitet werden. Zuerst wird es müde gemacht, damit ein Mann das Tier besser auf den Boden legen kann. Der kleine Stier wollte nach seinen eigen Regeln spielen und hüpfte wie ein Pferd über die Bande und rannte ausserhalb des Rings seine Runde.
Immer wieder öffneten Helfer ein Durchgang damit der Kleine wieder in den inneren Ring gelangte. Und Schwups, war er nach einer halben Runde wieder ausserhalb. Bald merkte man ihm die Müdigkeit an und der Guardian konnte ihn bei den Hörnern packen und legen. Markiert wurde er nicht, sofort wurde er wieder frei gelassen.
Aus der Kindheit kennt jeder das Spiel mit den Stühlen und der Musik. Dies kann man auch zu Pferd machen. Im Galopp reiten die Teilnehmer um die Stühle und sobald die Musik abstellt muss man aus dem Sattel und einen Stuhl besetzen. Wer keinen Stuhl ergattert scheidet aus. Die Jüngste Teilnehmerin, ein etwa zwölf Jähriges Mädchen machte das ganz geschickt. Sie stellte jeweils nur einen Fuss auf den Stuhl, auf diese Art war sie schnell unten und auch wieder schnell oben. Trotzdem reichte es ihr nicht bis zum Schluss. Die jungen Männer waren fixer.
Zum Abschluss wurden vier Stiere in die Arena gelassen. Sie wurden von 14 Reitern erwartet. Nun galt es die Stiere dazu zu bringen, dass sie inmitten der Pferde zu einem bestimmten Punkt gebracht werden konnten, ohne dass es Verletzungen gab. Zuerst versuchten die Bullen mit gesenkten Köpfen anzugreifen. Bald jedoch konnten sie den Kopf gar nicht mehr senken, weil sie so zwischen den Pferden eingekeilt waren, dass sie nicht anders konnten, als mitlaufen. Eine Eindrückliche Vorführung.
Während der Nacht kam wieder Wind auf und der brachte Regenwolken. Am frühen Ostersonntag begann es zu regnen, draussen ist es richtig garstig. Also bleiben wir in unserer Behausung, bereiten den Blog vor (hoffentlich klappt es mit Fotos hochladen) und lesen.

Mittwoch, 23. März 2016

23.03.16, Saintes Maries de la Mer

Ja der Mistral hat es in sich. Man könnte Seekrank werden in der Koje.
Auch heute strahlend blauer Himmel. Ohne Wind würde Tshirt und kurze Hosen reichen. Stattdessen trägt man Pullover, Jacke und Mütze!
Am Vormittag kämpften wir uns ins Dorf, die Vorräte waren bald alle. Wieder zurück gabs Mittagslunch draussen vor dem Camper. Das Fahrzeug bietet etwas Windschutz.
Plötzlich sah ich sich etwas im Sand bewegen. Eine Schlange! Da kam tatsächlich eine Schlange auf uns zu. Obwohl das Tierchen nur etwa 30 cm lang war, stellten sich meine Nackenhare auf und Gänsehaut übrzog den ganzen Körper. Trotzdem zückte ich mutig die Kamera und machte ein Bild. Danach war es aber vorbei mit 'Mut', das Tier soll gefälligst wo anders durch. Mit auf den Boden stampfen konnte ich sie überzeugen die Richtung zu ändern.

Später wagten wir uns auf eine Wanderung zwischen die Seen und Tümpel hinter dem Campingplatz. Das Mündungsgebiet der kleinen Rhone bietet viele Fotomotive. Gut eingepackt trotzten wir dem Wind, der uns Stellenweise fast umwehte.
Eifrig machten wir Fotos. Die Flamingogruppen hatten es uns angetan, bloss brauchte man den Zoom. Das war ohne Stativ bei der Windstärke eine Herausforderung.
Den Rückweg machten wir dem Strand entlang. Von den Dünen her wehte es uns immer wieder Sand ins Gesicht. Gratis Peeling.
Zuhause stellten wir fest: wir sind acht Kilometer marschiert und bei dieser Windstärke macht das ganz schön müde.

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22.03.16, Saintes Maries de la Mer

Auf der Weiterfahrt führte uns das Navi vom Meer weg ins Hinterland. Hügel, Felsen, Wälder und wenig befahrene Strassen, so ist es angenehm zu fahren. Auf einem langgezogenen Hochplateau war ein sehr grosses Gebiet eingezäunt. Wildgehege? Bikestrecke? Paintball?
Dann ein grosser Parkplatz vor einem Hotelkomplex. Wir machten eine kurze Rast und als unser Motor nicht mehr lief, hörten wir die anderen Motoren. Da ist eine Rennstrecke!

Etliche Kilometer später tauchten wir ein in die Ebene der Camarque. Tümpel, Seen, Wasserläufe und Flüsschen prägen das Landschaftsbild. Gebiete mit Reisfeldern, Salzbecken, Farmen mit den typischen, weissen Pferden und den schwarzen Rindern konnten wir entdecken und sogar Flamingos sahen wir in der Ferne.

Auf dem grossen Campingplatz durften wir uns einen Stellplatz aussuchen. Ganz am Rand mit Sicht auf das Sumpfland steht unser Häuschen nun. Momentan weht der Mistral heftig und schaukelt die Behausung unaufhörlich.


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Montag, 21. März 2016

21.03.16, La Seyne-sur-Mer

Der heutige Ausflug führte uns nach Cotignac. Ein altes, sehenswertes Städtchen unter hochaufragenden Felsen. Und von weitem sah man, dass auch in den Felswänden Wohnungen waren. Zu besichtigen sind die Grotten die früher bewohnt wurden. Einige der Felsenwohnungen sind immer noch bewohnt. Sogar eine Ferienwohnung existiert in dieser luftigen Höhe. Die Fotos im Prospekt sahen sehr verlockend aus. Colin wäre am liebsten gleich eingezogen.
Die Aussicht auf ein Eis liess ihn dann doch mit uns zurück gehen.
Auf der Heimfahrt schliefen beide Jungs ein.
Am Stadtrand von La Seyne-sur-Mer trennten sich unsere Wege. Noch einmal schlossen wir alle in die Arme, ein letztes Winken und ein Bewahren der Bilder und Erlebnisse in unserer Erinnerung. Bis zum Wiedersehen geht es etwa acht Wochen.

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Sonntag, 20. März 2016

20.03.16, La Seyne-sur-Mer

Bewölkter Himmel und kühlere Temperaturen am Morgen liessen uns im warmen Häuschen frühstücken.
Unterwegs auf dem Fussmarsch zum Hafen bereute ich, dass ich nicht den wärmeren Pullover angezogen hatte.
Familie Martin Junior wartete schon auf uns im Strassenkaffee.
Wir setzten uns dazu, so ein kleiner Schwarzer passt immer.
Erst danach schauten wir wann die nächste Fähre nach Toulon geht. Sonntags ist der Verkehr eingeschränkt, wir mussten warten. Um die Zeit zu überbrücken schlenderten wir über den Markt, der nicht weit vom Hafen war.

Ich war froh, als wir endlich auf die Fähre ins Warme konnten. Die kurze Überfahrt reichte zum aufwärmen.
Am Hafen von Toulon suchten wir uns ein Lokal fürs Mittagessen. Die Wahl war gut, wir mussten weder Kinder noch Hund verstecken. Der Wirt hatte so Freude an den Jungs, am Schluss er schenkte jedem einen Lutscher.

Beim Bummel durch die Stadt gerieten wir ins arabische Viertel. Da hatte Coiffeur und Barbier geöffnet. Es brauchte nicht viel Überredung und drei von unserer Truppe standen im Laden. Eilig legte der Coiffeur sein Handy weg und griff zu Kamm und Schere. Opa, Papa und Jüngster liessen Haare fallen und als der beinahe Teenager Colin sah, wie sein kleiner Bruder sich mutig die Haare schneiden liess, wollte er doch nicht kneifen.
Der Coiffeur beherrschte sein Handwerk gut, innert kurzer Zeit standen alle vier gut frisiert wieder draussen.

Für die Rückfahrt nach La Seyn-sur-Mer nahmen wir wieder die Fähre. Die Jungs wären enttäuscht gewesen, wenn wir den Bus genommen hätten.
Am Hafen trennten wir uns. Morgen wollen wir nochmal einen gemeinsamen Tag verbringen.


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Samstag, 19. März 2016

19.03.16, La Seyne-sur-mer

Nun liege ich mit müden Beinen auf meinem Bett und versuche den heutigen Tag in eine für euch lesbare Form zu bringen.
Bei strahlendem Sonnenschein frühstückten wir heute morgen draussen. Das Wetter und der Anblick des Fort Six-Fours auf dem nahen Hügel wirkte wie eine Droge. Es war unvermeidlich den Rucksack zu packen und los zu marschieren. Wir dachten, dass Michael und Familie nicht so früh ankommen.
Noch bevor wir den Anstieg ganz bewältigt hatten, meldete mein Handy eine SMS. Sie hatten sich bereits in der Ferienwohnung installiert, wollten noch etwas ausruhen und dann mit den Jungs in den Park. Wir verabredeten uns für den späteren Nachmittag.

Heiner und ich kraxelten weiter aufwärts und erreichten gegen Mittag unser anvisiertes Ziel. Ein hoher Zaun mit Stacheldraht oben drauf verkündete: Militärisches Sperrgebiet! Ach so, das Fort ist noch voll im Betrieb und nicht ein Kriegsüberbleibsel das man besichtigen kann.

Seitlich, einige Meter unterhalb stand die frisch renovierte Stiftskirche St. Pierre. Ihr Ursprung geht auf das fünfte Jahrhundert zurück. Da hatten wir also doch etwas zu besichtigen.
Auf der anderen Seite des Forts stehen noch die Überreste eines Turms. Von dort hat man einen grandiosen Ausblick auf die Strände von Bonnegrâce und Roches Brunes.
Ursprünglich wollten wir unsern Lunch da oben verzehren. Wie so oft, war man auch auf diesem Hügel dem Wind zu sehr ausgesetzt. Deshalb machten wir uns an den Abstieg und suchten weiter unten einen geschützten Platz.

Der Weg zum Hafen führte uns durch ein nobleres Wohngebiet. Hohe Zäune mit Sichtschutz verbergen Besitztümer die eventuell gewisse Berufsgattungen auf unerwünschten Ideen bringen könnte. Meist sind die Anwesen noch von kläffenden Vierbeinern bewacht. Solange die innerhalb des Zaunes ihren Job machen ist uns das egal, heute verfolgte uns so eine Giftnudel hartnäckig auf der Strasse. Man hatte das Gefühl, wenn man den Kläffer im Auge behält, kommt er nicht ganz bis an die Waden. Versucht man jedoch weiter zu gehen, kommt die Schnauze bedrohlich nah. Schliesslich waren wir weit genug von seinem Revier entfernt und er liess uns in Ruhe.
Je näher wir an das Stadtzentrum kamen um so mehr veränderte sich die Wohnsituation. Wohnblocks prägen hier das Strassenbild,  Kläffer hört man keine.

Im Park beim Hafen trafen wir unsere Lieben. Freudig konnten wir die Jungs in die Arme schliessen.
Es gab einiges zu erzählen hin und her. Ein gemeinsames Nachtessen in der Ferienwohnung liess uns noch etwas Familienzeit geniessen. Morgen, wenn alle ausgeruht sind, wollen wir mit dem Schiff nach Toulon.

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