Blog von unterwegs mit dem Wohnmobil. Ziel: Europa und die Welt bereisen solange es Spass macht und die Gesundheit erlaubt. Tagebuch vom Jakobsweg Basel - Vezelay - Limoges - Orthez, Bilbao - Ribadeo - Santiago - Finisterra 27. Juli 2013 bis 28. Dez. 2013
Freitag, 13. Dezember 2013
Donnerstag, 12. Dezember 2013
139. Tag, Donnerstag, 12.12.13
Wir haben so gut geschlafen in der ruhigen Pension, dass wir erst um neun Uhr aufgewacht sind. Dies stresste uns nun gar nicht, wir sind jetzt auf dem Hauptweg und es gibt alle paar Kilometer genügend Unterkunftsmöglichkeiten. Beim Blick aus dem Fenster sahen wir gegenüber angeschrieben: Desayuno. Schnell packen und nix wie hin!
Nach dem ausgiebigen Frühstück lief es fast von alleine. Der Himmel war ziemlich bewölkt und die Temperatur auf angenehmen acht Grad, der Wind hatte sich gelegt.
Wir fanden: erstens sind wir langsam, zweitens heute spät dran, jetzt werden wir bestimmt nicht überholt. Da können wir auch im Vorbeigehen einen Besuch in der Kirche machen, wenn sie offen ist. Ganz langsam und vorsichtig öffnete ich die Tür. Wir sind darauf bedacht nicht zu stören, wenn irgend ein Anlass ist. Vier Frauen waren bei den vordersten Bänken, eine eben am gehen. Sie kam den Mittelgang nach hinten und winkte uns herein. 'Kommt Peregrinos, kommt herein. Dort drüben am Tisch könnt ihr stempeln. Woher seid ihr? Was aus der Schweiz?' Dann fasste sie mich am Arm und fragte ganz besorgt: 'wie geht es deinen Füssen? Sind sie gut?' Oh si, muy bien, bestätigte ich. Beruhigt tätschelte sie meinen Arm und wünschte uns 'buen camino'. Wir konnten bereits den ersten Stempel des Tages fassen. Danach drehten wir uns um und betrachteten lange die Szene im Seitenschiff. Da war auf ca. zehn Meter Länge eine Krippenlandschaft aufgebaut. Das war so schön und liebevoll gestaltet, dass es einem automatisch ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Gut gelaunt machten wir uns endgültig auf die heutige Etappe. Wir waren gespannt auf die Unterschiede zu unserem bisherigen Weg. Bald merkten wir: es hat immer wieder grosszügige Pique-nique Plätze oder sonstige Sitzgelegenheiten. Abfalltonnen stehen entlang des Weges, sogar im Wald, nicht nur bei den Bänken. Und es hat tatsächlich etliche andere Pilger unterwegs. Wir wurden überholt und wir überholten. Wenn die einen Pause machen überholen die anderen und umgekehrt.
Kurz vor zwölf erreichten wir die Bar die in unserem Buch erwähnt ist. Dort bestellten wir Kaffee und 'Schokogipfel' und weil das noch nicht genug war gleich nochmal Kaffe, diesmal mit Tarta Santiago. Mhhh, lecker.
Danach marschierten wir etwas schneller und bewältigten bis um fünfzehn Uhr einige Kilometer. Auf einer Hügelkuppe hatte es Restaurants und eine Herberge. Wir entschieden uns für's Restaurant und bestellten mitten im Nachmittag Spaghetti. Diese Futterpause gab uns genug Energie doch noch so weit zu laufen wie ursprünglich geplant.
Einige der heute getroffenen Pilger tun mir leid, da kann man wirklich nur mitleidig fragen: wie geht es deinen Füssen?
Wir schauen immer wieder erstaunt die stetig abnehmende Zahl auf den Markierungssteinen an. Ist es wirklich nur noch so wenig. Stimmen diese Angaben?
Für morgen ist der Wetterbericht sehr schlecht. Wenn es wirklich so arg ist, bleiben wir noch einen Tag in dieser gemütlichen Pension. Wir haben sogar eine Küche zur Verfügung.
Mittwoch, 11. Dezember 2013
138. Tag, Mittwoch, 11.12.13
In der Nacht pfiff der Wind um die Häuser, rüttelte am Dach und am Hotelschild und weckte uns mehrere Male. Am Morgen war es noch so kuschelig warm im Bett, dass ich gerne noch liegen geblieben wäre. Da wir heute jedoch eine grosse Etappe vor hatten, mussten wir in der Morgendämmerung packen. Heiner hatte klugerweise die Cacaodrinks auf das Öfeli gelegt, so konnten wir warmen Kakao trinken bevor wir das Haus verliessen.
Etwas weiter vorn hatte eine Bar offen. Es gab doch noch Kaffee zum Start.
Wir hatten uns mit Mütze und Handschuhen auf den Weg gemacht. Vor dem Haus zogen wir die Handschuhe gleich wieder aus und die Mützen packten wir auch bald wieder in den Rucksack. Der Wind blies zwar heftig, jedoch warm.
Die hohen Eukalyptusbäume ächzten und bogen sich im Wind. Wir sind jetzt, mehr oder weniger auf 400 Höhenmeter. Heute morgen ging es zu meinem Leidwesen erst mal bergauf. Normalerweise mag ich das gerne, nur nicht am Morgen wenn mein Kreislauf noch nicht voll leistungsfähig ist. Heiner ist da jeweils kaum zu bremsen. Am Nachmittag ist es genau umgekehrt. Bei mir läuft es super und Heiner keucht hinterher.
Nachdem wir die Höhe erreicht hatten ging es über etliche Kilometer eben fort oder bergab. Heidelandschaften und Sumpfgebiete wechselten sich ab. Palmen und Kastanien sieht man kaum noch, dafür wieder vermehrt Eichen.
In Boimorto, bei Kilometer 10,5 hätte es eine sehr moderne neue Herberge. Martin's zogen daran vorbei! Wir wollten heute bis Arzúa. Das waren nochmal elf Kilometer, das schaffen wir mittlerweile.
Das Wetter war bewölkt, der Wind blies am Nachmittag etwas weniger stark. Zum marschieren gerade noch angenehm.
Die letzten vier Kilometer zogen sich wie Kaugummi in die Länge. Es gab nochmal einen Anstieg in den Ort. Heiner's Kommentar: wieso müssen sie die Dörfer immer auf die Hügel stellen?
In Arzúa hat man im Sommer die Wahl zwischen mindestens sieben Pilgerherbergen mit bis zu siebzig (!) Betten. Der Grund: hier kommen die Nebenwege Camino del Norte und Camino Primitivo mit dem Hauptweg Camino Frances zusammen. In unserem Buch heisst es: ab hier ist die Wegmarkierung 'idiotensicher'.
Trotz der Herbergsvielfalt haben wir uns für ein Zimmer in einer Pension entschieden.
Ohhh, noch etwas Wichtiges: auf dem Kilometerstein steht: 39,9 Kilometer bis Santiago!
Dienstag, 10. Dezember 2013
137. Tag, Dienstag, 10.12.13
Frühstück war auf neun Uhr bestellt. Es gab reichlich und wir hätten noch mehr bekommen, bloss war kein Platz mehr vorhanden.
Señor holte sein Auto und brachte uns zurück auf den Jakobsweg. Da der spätere Wegverlauf näher am Hotel lag als Miraz, brachte er uns an diesen Punkt. Für uns bedeutete das einige Kilometer weniger und somit keine Riesendistanz mehr. Auch gut. Die heutige Etappe hätte ziemlich viel Steigung enthalten und wäre nicht einfach gewesen.
Seit Tagen bemerken wir auf dem Weg und in den Ortschaften Plakate, Zettel, Kleber die den Camino betreffen. Immer mit einem grossen NO darauf. Es wurde uns erklärt, dass geplant ist diesen Weg umzulegen. Es würde eine recht grosse Region betreffen. Das eine Problem trifft die Bevölkerung die durch die Pilger Einkommen haben, sei es durch Verkauf von Lebensmitteln, Restauration oder Gästeunterkünfte. Das andere Problem trifft die Pilger, die durch die neue Streckenführung gezwungen wären anstrengende Monsteretappen ohne Infrastruktur zu bewältigen.
Heute starteten wir ohne Nebel. Da wir auf 700 Meter waren und erst um zehn Uhr losmarschierten, hatte wir schönsten Sonnenschein. Wir waren gespannt auf Sobrado. Angeblich (laut Hotelier von Bi terra) gibt es dort nichts .... alles geschlossen im Winter. Nur die Pilgergerberge im Kloster. Die empfehle er jedoch nicht weil es bei den Mönchen stinke. Weil er das englische Wort für 'stinken' nicht kannte, nahm er die Eiswürfelzange und hielt sich damit die Nase zu. Wir können ihn problemlos anrufen und er werde uns abholen für eine weitere Nacht in seinem Haus.
Bis auf wenige Hundert Meter hatten wir heute eine Strassenetappe. Dort wo der Weg ein wenig durch das Gelände wäre, haben wir die Abzweigung verpasst. Dafür haben wir eine offene Bar gefunden, einen Kaffee bekommen und einen Stempel ergattert. Etwas später stiess der Jakobsweg wieder auf diese Strasse und wir konnten wieder dem Muschelzeichen folgen.
Kurz vor Sobrado glänzte ein kleiner Stausee neben der Strasse im Sonnenlicht. Dann ging es auf der Staumauer direkt auf den Ort zu. Bald standen wir auf dem Marktplatz und sahen gegenüber das einzige Hotel im Ort. Die Aussentür stand offen. Als wir in der Veranda standen, merkten wir, dass die Innentür geschlossen war. Auf einem Zettel stand geschrieben: wenn sie ein Zimmer brauchen oder reserviert haben rufen sie bitte untenstehende Telefonnummer an. Am Telefon sagte die Señora wir sollen fünf Minuten warten, sie komme gleich mit dem Auto.
Bei uns angekommen erklärte sie: das Hotel ist eigentlich geschlossen, aber es sei kein Problem, wir können ein Zimmer haben. Essen könne man im Cafe nebenan oder weiter vorn. Für warmes Wasser müssen wir etwa eine Stunde warten bis der Boiler aufgeheizt sei. Morgen früh sollen wir den Schlüssel einfach auf den Tresen legen und die Tür gut zu machen.
Später machten wir den Besuch im Kloster, einerseits wollten wir den Stempel, andererseits das alte Gemäuer besichtigen. Als wir uns beim Pförtner meldeten rochen wir was der Señor von Bi terra meinte. Hier wird wohl Käse hergestellt.
Die Klosteranlage ist eindrücklich .... und eiskalt.
136. Tag, Montag, 9.12.13
Heute morgen wieder dichter Nebel und sehr kalt. Rauhreif überall. Für die Spanier hier ist diese Kälte das Tagesgespräch. Die vom Rauhreif überzogene Landschaft wurde sogar im Fernsehen gezeigt. Unterwegs wurden wir gefragt ob wir nicht frieren, bei dieser Kälte zu laufen, brrrr. Ich habe geantwortet: es ist wie in der Schweiz. Señor Lopez meinte: ja in der Schweiz ist das normal, hier nicht!
Wir haben in der gut geheizten Herberge sehr gut geschlafen. Die Küche ist eher mager eingerichtet, trotzdem machten wir unser Frühstück dort. Die anderen beiden sind fürs Frühstück in die Bar. Die Australierin wusste noch nicht ob sie ein Stück weit mit Bus oder Taxi fahren will. Vierzig Kilometer sind ihr auch zu viel, das Hotel unterwegs ist ihr aber scheinbar zu teuer. Zudem leidet sie sehr unter der Kälte. Bei ihr Zuhause hat es jetzt 21 Grad.
Wir marschierten um neun Uhr los. Die ersten Kilometer auf der Nationalstrasse. Beim
100 Km Stein bog der Jakobsweg wieder ins Gelände. Zuerst mussten wir Fotos machen. Nun sind es keine Hundert Kilometer mehr! Sensationell! Unfassbar! Das Herz hüpfte vor Freude.
Wir beeilten uns mit den Fotos, denn es gab sofort sehr kalte Hände. Während dem nachfolgenden Aufstieg wurde uns wieder warm. Und dann schaffte es die Sonne den Nebel zu vertreiben. Von den Bäumen und Sträuchern fielen grosse Tropfen und die weisse Glitzerpracht löste sich auf.
Genüsslich konnten wir durch lauschige Pfade und über Wiesenwege durch die Heidelandschaft wandern. Bei Kilometer zehn soll es eine Bar geben und dort könne man auch einen Stempel ins Credencial haben, wurde uns verprochen. Seit heute (auf den letzten 100 Km) braucht es zwei Stempel pro Tag in den Pilgerausweis. Bis 150 Meter vor besagter Bar waren wir voller Vorfreude auf einen Kaffee. Dann der entsprechende Zettel am Wegrand: Cerrado (geschlossen)! Hmmm .... wir brauchen aber diesen Stempel. In der Hoffnung jemand zu finden der uns diesen Eintrag macht, sind wir trotzdem hin. Eine alte Frau war am Blätter zusammen wischen. Auf meine Bitte um einen Stempel liess sie einen Schwall spanische Sätze los. Die Chica die die Bar betreut sei nicht da, es kommen jetzt sowieso keine Pilger, es ist soooo kalt, friert ihr nicht? Nein tut mir leid, ich weiss nicht wie die Maccina funktioniert, in Miraz gibt es sicher einen Stempel. So oder ähnlich hat sie gesagt. Wir zogen unverichteter Dinge weiter. Wo bekommen wir den bl.... Stempel? Die Kirchen sind ja auch alle verriegelt und verrammelt. Zu eurer Information: es ist ein sehr dünn besiedeltes Gebiet. Wenn es ein Dorf gibt, dann sind es oft nur ein paar Häuser. Die Ortsschilder sind kleine Holztafeln und Handgemalt.
Zwei Kilometer später erreichten wir den kleinen Ort Seixón. Zwischen den Häusern durch führten malerische, enge Gassen. Durch eines dieser Gässchen wiesen uns die gelben Pfeile. In einem der Gärten standen auffallende Skulpturen. Auf einer Stele stand geschrieben: Die Wege haben kein Ende, unsere Schritte schon. Das Gartentor stand offen, neugierig wie zwei Kinder schauten wir in den Garten. Ein Mann kam aus dem Haus und winkte uns herein. Es war der Garten des Bildhauers Francisco Javier Lopez. Leider hatten wir keine gemeinsame Sprache, trotzdem verstanden wir einige seiner Worte. Er zeigte uns seine Werke im Haus und im Garten, dann fragte er ob wir einen Stempel ins Credencial wollen. Und ob wir wollten! Wir bekamen einen ganz aussergewöhnlichen Stempel mit Siegel.
Beim weiter marschieren fanden wir: was machen wir uns eigentlich Sorgen um Stempel, Unterkünfte, Einkaufsmöglichkeiten, Futterstellen? Es findet sich immer etwas. Wir sind gut behütet.
Mitten im Nachmittag erreichten wir Miraz. Nun wird sich zeigen ob das mit dem Zettel von Karmela funktioniert. Die kleine Bar sah geschlossen aus. Zum sicher sein drückte ich die Türfalle .... es war offen! Ein junge Frau kam aus einem Nebenraum. Auf meine Frage ob sie Ana sei bejahte sie ganz erstaunt. Ich gab ihr den Zettel von Karmela und es funktionierte wie gewünscht. Ana telefonierte für uns. Während wir auf unseren Abholservice warteten bestellten wir Kaffee und Bocadillo.
Unsere Unterkunft ist einige Kilometer von Miraz entfernt und heisst: Hotel Rural Bi terra. Auch hier sind wir die einzigen Gäste und werden bestens betreut.
Sonntag, 8. Dezember 2013
135. Tag, Sonntag, 8.12.13
Heute morgen war alles in dichten Nebel gehüllt. Der Blick aus dem Fenster zeigte: warm anziehen, es hat starken Frost. Gut eingepackt starteten wir und stiessen in der Altstadt überraschend auf einen seltsamen Markt. Gemästete Hähne, Hühner und anderes Geflügel, Kaninchen, Meerschweinchen, Käse, gesalzenes, getrocknetes Fleisch, ganze Schweineköpfe, ebenfalls gesalzen und getrocknet. Wir staunten wieder einmal.
Bald hatten wir das Städtchen hinter uns. Von der Gegend sahen wir heute nicht sehr viel, der Nebel hielt sich zu hartnäckig. Nach etwa vier Kilometer hatten wir genug Höhe um etwas über dem Nebel zu sein. Bald tauchte unser Weg wieder in das milchige Licht des Nebels. Den ganzen Tag behielten wir Jacke, Mütze und Handschuhe an. Während dem Marschieren hatten wir warm genug, Pausen gab es nur kurze und zwei Mal konnten wir uns in einer Bar aufwärmen.
Kurz nach vier Uhr erreichten wir Baamonde und marschierten zielstrebig an der Pilgerherberge vorbei. Zwei Häuser weiter passierten wir eine Bar und wurden dort von einem Einheimischen gestoppt. Hola Peregrinos, die Alberque ist da hinten. Oh nein, wir möchten in eine Pension oder Hotel. Ahhh, warum? Die Alberque ist schön und es ist warm. Kommt, schaut es an und wenn es euch nicht gefällt, könnt ihr ins Hotel. Wir schauten es an und wir blieben. Es ist geheizt und es hat nebst dem Schlafsaal auch noch drei kleinere Zimmer. Ausser uns ist noch eine Australierin und ein Spanier hier.
Bei Tageslicht schauten wir die Kirche aus dem
14. Jahrhundert und die alte Kastanie, die in ihrem Innern eine geschnitzte Kapelle verbirgt, an. Danach besuchten wir den Skulpturengarten und das Haus des Künslers Victor Corral. Der betagte Künstler selber zeigte seine Werke, wollte, dass ich auf einen steinernen Sessel sitze, posierte daneben und hiess Heiner ein Foto machen.
Im Haus und Garten war so viel zu sehen und entdecken, wir kamen kaum vorwärts. Seine Werke sind beeindruckend vielseitig.










